Mara Maru

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Der Film liegt zwar in einer deutschen Fassung vor, wird aber so gut wie nie im Fernsehen gezeigt, nicht einmal im Nacht-, geschweige denn im Nachmittagsprogramm… Bedauerlich, denn es ist ein solider Abenteuerfilm. Am 24. April 1952 kam „Mara Maru“ in die US-amerikanischen Kinos, und bereits am 24. Juni, also nur zwei Monate später, in die deutschen. Warners nutzte wohl die Errol Flynn-Welle, die zu Beginn der 1950er Jahre in Deutschland herrschte. In den Werbematerialien für Kinobesitzer steht, daß allein der Name Errol Flynn als Besuchermagnet wirkt. Was wahrscheinlich auch der Fall war. Es war der letzte Film, den Flynn für Warners in den USA drehte, bevor er in sein selbst gewähltes Exil nach Europa ging.

Allgemein kam der Film, zumindest bei den amerikanischen Kritikern damals und heute, jedoch nicht gut weg. Das Spiel der Hauptdarsteller wurde als „desinteressiert“ charakterisiert, und auch die Geschichte selbst, der Handlungsverlauf, galt als müde und einfallslos. Viel wurde dem Regisseur Gordon Douglas angelastet. Dabei ist die Grundstory nicht einmal schlecht, und ich persönlich habe mich auch nicht dabei gelangweilt. Auch fand ich die Dialoge nicht so monoton, wie oft behauptet wird.

Der Film wurde in den Häfen von Los Angeles und Newport, auf Catalina Island und in San Fernando (für die Kathedralen-Szenen) gedreht.

Paul Picerni, der mit Flynn an dem Film gearbeitet hat (er spielt Ranier), berichtet in McNultys Flynn-Biographie (S. 246) folgende Episode: Während der Dreharbeiten war Patrice Wymore schwanger und befand sich auf Jamaica. Dementsprechend häufig telefonierte Errol vom Studio aus mit ihr. Eines Tages bekam er einen Brief vom Boss: „Lieber Errol, mir wurde berichtet, daß Deine Telefonrechnung über $5000 beträgt. Bitte kümmere Dich so bald wie möglich darum, unterzeichnet Jack Warner.“ Errol schrieb auf die Rückseite: Lieber Jack, ich bin bereit, es zu vergessen, wenn Du es auch tust, in Liebe, Errol“.

Inhalt:

Gregory Mason (Flynn) arbeitet als Tiefseetaucher. Mit seinen Gehilfen Manuelo (Robert Cabal) und Perol (Henry Marco) ist er gerade dabei, einen Schiffrumpf unter Wasser zu säubern, als er dem Ruf seines Partners folgen und wegen eines Notfalls an Land gehen muß. Als Mason jedoch im Büro der gemeinsamen Firma ankommt, ist sein Partner Callahan (Richard Webb) nicht dort. Ein mysteriöser Telefonanruf bestellt ihn in die Venus-Bar. Der Barbesitzer behauptet, nichts von Callahan zu wissen, doch plötzlich taucht dieser betrunken auf. Er behauptet, daß er in Kürze reich sein werde. Mason bringt seinen Freund nach Hause zu dessen Frau (Ruth Roman), die sich allerdings nicht besonders um ihn kümmert. Callahan wiederholt seine Aussagen über seinen künftigen Reichtum und schlägt Mason in seinem Suff einmal nieder. Callahans Frau haßt das Leben in Manila. Sie will wieder zurück in die Staaten, doch Mason behauptet, daß sie seinetwegen nicht gehen will – weil sie ihn liebt.

Als Mason nach Hause kommt, findet er seine Wohnung verwüstet und seine Gehilfen verletzt vor. Gerade als er zur Polizei gehen will, tauchen zwei Beamte auf. Angeblich wurden diese von Gregory Mason telefonisch wegen eines Raubüberfalls gerufen. Da jedoch das Telefon von den Einbrechern zerstört wurde, ist das schwer möglich. Die Polizisten schauen sich in der Wohnung um. Mason fährt zu seiner Firma, wo er einen Einbrecher überrascht, der jedoch fliehen kann, nachdem er Mason niedergeschlagen hat. Als Mason sich an die Verfolgung macht, taucht wieder die Polizei auf. Doch statt den Gangster zu verfolgen, sehen sie sich mit Mason auf dem Firmengelände um. Und finden die Leiche von Callahan.

Mason wird arretiert, von der Polizei verhört und des Mordes an Callahan verdächtigt – weil der Barbesitzer bezeugt, daß Callahan Mason bedrohte und weil Mason angeblich hinter Callahans Frau her war. Der Polizeikommissar hat auch diese herbestellt, doch Mason streitet alle Vorwürfe ab. Gerade als er abgeführt werden soll, tauch ein Detektiv namens Steven Ranier (Paul Picerni) auf, der angeblich von Callahan zu dessen Schutz engagiert worden war. Er entlastet Mason, indem er behauptet, den Mord mit angesehen zu haben. Die Polizei muß Mason widerwillig gehen lassen.

Mason und Ranier gehen einen trinken, und Mason versucht herauszufinden, warum Ranier ihn gerettet hat. Es gelingt ihm nicht, doch Ranier bringt den Namen Brock Benedict (Raymond Burr) ins Spiel, der in die Sache mit verwickelt ist. Er bringt Mason zu ihm.

Benedict eröffnet Mason, was er von ihm will: vor vielen Jahren, während eines Bombenangriffs auf Manila, sank das Schiff von Mason und Callahan im Chinesischen Meer. Die beiden waren die einzigen Überlebenden. An Bord war ein Flüchtling namens Ortega, der ein Kreuz im Wert von mehreren Millionen bei sich trug. Jetzt, wo Callahan tot ist, soll Mason danach tauchen, denn er ist der letzte, der weiß, wo sich das Schiffswrack befindet. Callahans Witwe soll ebenfalls mitkommen – um Mason unter Kontrolle zu halten.

Das Kreuz kann laut Thomas McNulty (S. 245) als Metapher für die Unschuld und religiöse Reinheit gesehen werden, die während des 2. Weltkriegs verlorengegangen ist.

Als Mason zu Hause ankommt, trifft er dort einen Mann an, der sich als Ortega (George Renavent) vorstellt. Es ist der Bruder des Ortega, dem das Kreuz gehörte – einer der „anderen“, die auch Interesse an dem Schatz haben. Mason lehnt eine Zusammenarbeit mit ihm ab und bedroht Ortega sogar, so daß dieser sich – zwar ungern, aber bestimmt – mit einem Revolver absichert und wieder geht.

Als Mason zu seiner Firma zurückkehrt, wird ein Teil seiner Ausrüstung abtransportiert. Callahans Frau hat es verkauft. Sie würde lieber heute als morgen in die Staaten zurückkehren – doch Mason will den Schatz. Er trägt den beiden Jungen auf, das Boot zum Auslaufen fertig zu machen. Als er jedoch am Abend zurückkehrt, steht das Boot in Flammen. Der kleine Junge stirbt in den Armen seines Bruders.

Beim Gottesdienst zur Beisetzung sieht Mason Ortega wieder, kann ihn jedoch nicht stellen. Mason ist überzeugt, daß der alte Mann Schuld an dem Brand hat, weil der Junge ein Kreuz an Bord gefunden hat. Bei der Verfolgung von Ortega trifft Mason auch wieder auf Brock Benedict, der ihn einlädt, sich ein Schiff mit dem Namen Mara Maru anzusehen und mit ihm in See zu stechen. Mason sieht sich das Schiff an und setzt durch, daß nur er, der Detektiv, Benedict und Manuelo als Crew auf die Suche gehen.

Das Schiff sticht in See, und plötzlich ist auch Stella an Bord. Am Flughafen ist sie umgekehrt, denn sie will herausfinden, wer Gregory Mason wirklich ist.

Endlich ist das Schiff am richtigen Ort angekommen, und während Mason einen ersten Tauchgang unternimmt, manipuliert der Detektiv das Funkgerät. Mason taucht ohne Schatz wieder auf. Er bemerkt die Manipulation und stellt Benedict zur Rede. Der leugnet jedoch, etwas damit zu tun zu haben. Während des Abendessens mit Stella macht er klar, daß er Mason nur so lange „toleriert“, wie er nützlich für ihn ist.

Stella warnt Mason daraufhin und bittet ihn, umzukehren, doch Mason lehnt ab. Bis er den Schatz gehoben hat, ist er sicher. Und dann würde ihm schon etwas einfallen.

Tatsächlich zieht ein Sturm auf, und die Mara Maru wirft den Anker. Mason taucht trotz des Sturmes und findet den Schatz. Er bringt ihn nach oben, und nachdem Benedict und Ranier sich überzeugt haben, daß es sich um das Kreuz handelt, wollen sie Mason über Bord werfen. Doch der informiert sie, daß er zuvor den Kompaß zerstört hat. Ranier ist nicht in der Lage, ohne Kompaß zurück zu navigieren.

Mason steuert die Mara Maru daraufhin bewußt auf die Klippen vor der Küste und flieht mit Manuelo und Stella. Zuvor hat er sich mit Raniers unerwarteter Unterstützung das Kreuz geholt. Die drei fliehen in ein Eingeborenendorf, verfolgt von Ranier, Benedict und dessen Gehilfen. Dabei erschießt Benedict Ranier, und auch Mason, der sich von Stella und Manuelo getrennt hat, bekommt einen Streifschuß am Arm ab. Schließlich trifft er Stella und Manuelo in dem Dorf wieder. Während sie Feuer machen, betrachtet Manuelo das Kreuz. Er und Stella bitten Mason, es der Kirche, der es gehört, zurückzugeben. Doch Mason lehnt ab. Er hat nicht sein Leben riskiert und alles verloren, um am Ende mit leeren Händen dazustehen. Er schlägt Manuelo, als dieser ihm das Kreuz nicht aushändigen will. Das bringt ihn zwar zur Besinnung, doch Manuelo flieht und bringt das Kreuz zurück. Völlig entkräftet wird er von Ortega aufgelesen.

Auch Stella und Mason kommen zur Kirche, finden aber keine Spur von Manuelo und dem Kreuz. Mason sieht Ortega und folgt ihm hinunter in die Katakomben unter der Kirche. Er stellt ihn und Ortega erzählt ihm, daß Benedict Andy Callahan ermordete, als er herausfand, daß Callahan Ortega helfen wollte. Mason verlangt die Herausgabe des Kreuzes, was Ortega unter Gewaltandrohung auch macht. Er bittet Mason zwar, das Kreuz in die Kirche zurückzubringen, doch Mason lehnt wieder ab. Als er die Katakomben verlassen will, taucht Benedict auf und es kommt zu einem dramatischen Showdown, in dessen Verlauf sowohl Ortega als auch Benedict ihr Leben verlieren. Mason übergibt letztendlich das Kreuz an Manuelo, der mit Stella aufgetaucht war, und Manuelo trägt es die Stufen hinauf zurück in die Kirche.

Dieser Abschluß ist vielleicht ein wenig zweifelhaft. Nachdem Mason all die Zeit seine Gier gezeigt und selbst sogar zugegeben hat, erscheint es unwahrscheinlich, daß sich sein Sinn doch noch wandelt. Aber weshalb auch nicht? Kann nicht der Tod des alten Mannes als Auslöser gesehen werden, der ihn dermaßen mitgenommen hat? Wer versteht schon die menschliche Seele… Flynn überzeugt besonders hier in seiner Darstellung des von Gier getriebenen Mason.

Insgesamt also ein durchaus sehenswerter Film, den man durchaus einmal im deutschen Fernsehen zeigen könnte…

mara4

 

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