Auf Ehrenwort

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„Profitons du moment!“ Flynn und Jean Sullivan

Hintergrund

Errol Flynn versuchte immer wieder, aus dem Rollenschema des unerschrockenen und unbesiegbaren Helden, in das Warner Brothers ihn pressen wollte, zu entkommen. Auf Ehrenwort ist einer dieser Versuche.

Der englische Filmtitel, der eigentlich mit „Ungewisser Ruhm“ übersetzt werden müßte, basiert laut Thomas McNulty (S. 180) auf einigen Zeilen aus Shakespeares früher Komödie Zwei Herren aus Verona.

Die Meinungen der Flynnexperten über diesen Film gehen auseinander. Thomas/Behlmer/McCarty mögen ihn eher nicht; sie bezeichnen ihn als „schlecht geschrieben, diffus in seiner Entwicklung der Geschichte und der Charaktere, und schwunglos in der Bewegung“. (S. 136) McNulty (S. 181) betont dagegen, daß Flynn mit Enthusiasmus an dieser Rolle arbeitete und so vielleicht zur besten Darstellung seiner Karriere gelangte. Das lag sicher auch an der Regie von Raoul Walsh, dem es gelang, aus seinem Freund das Beste herauszuholen. Der Film ist einer der untypischsten für Flynn; eine einfache Geschichte um einen Mörder und Dieb, und nicht um einen makellosen Helden. Dieser Jean Picard ist skrupellos, er hat mehrere Menschenleben auf dem Gewissen, und doch hat er einen Charme und immer wieder das Flynn’sche Lächeln um die Mundwinkel, so daß man ihm alles verzeihen mag.

Flynns Charakterisierung ist glaubwürdig. Der einzige Makel ist das Ende. Den gesamten Film über versucht er immer und immer wieder, seinem Gegenspieler, großartig verkörpert von Paul Lukas, zu entkommen. Er täuscht und betrügt, und endlich gelingt ihm die Flucht durch einen meisterhaften Bluff – er tut Marianne gegenüber seine Meinung über übertriebenen Patriotismus kund – und letztendlich ergibt er sich doch und gibt sein Leben für andere, die ihm nichts bedeuten. Warum? Danach befragt, kann er keine befriedigende Antwort geben.

Für diesen Film formte Flynn mit seinem Manager eine Gesellschaft namens Thomson Productions, die als Coproduzent für Warners fungieren und an den Einnahmen beteiligt werden sollte. Laut Thomas & al. (ibid.) war das Ziel dieser Firma „baldige Liquidierung und Kapitalgewinn“.

Der Film liegt in einer guten Synchronfassung, erneut mit Sigmar Solbach, vor, und wird ab und zu im deutschen Fernsehen gezeigt. Es existierte jedoch auch eine Fassung, die gänzlich umgeschnitten worden sein muß. Die deutschen und österreichischen Filmprogramme aus der Nachkriegszeit zeugen davon.

Hier wurde die Geschichte vollkommen verändert: Jean Picard wird zum Chef des englischen Geheimdienstes namens Captain Bradley, der in Paris verraten, von Inspektor Bonet verfolgt und kurz vor der spanischen Grenze festgenommen wird.

Die Reise zurück nach Paris verläuft ähnlich wie im Original, inclusive der Liebesgeschichte mit Marianne. Doch nachdem sich Bradley den Deutschen gestellt hat, beginnt kurz vor seiner Hinrichtung ein Bombardement der Stadt und er kann sich retten. Nach dem Krieg werden Marianne und Bradley ein glückliches Paar.

Weiterhin existiert eine (englischsprachige) Romanfassung des Buches von Herb Meadow, einem bekannten Hollywoodautor, der u.a. auch für das Drehbuch zu Flynns „Der Freibeuter“ verantwortlich zeichnet. Der Roman folgt im Wesentlichen dem Film, weicht aber in einigen Details davon ab, z.B. hat Bonet seine Erkältung schon von Beginn an, die Kirchenszene, in der Picard Bonet mit seinen angeblichen Untaten veralbert, fehlt, und aus Dupont wird Leduc. Die Charakterisierung und Hintergrundbeschreibungen fallen – was in der Natur eines Romans liegt – etwas tiefgründiger aus als im Film, manche Dialoge sind ausführlicher, andere etwas kürzer gehalten.

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„Ne me quitte pas!“

Inhalt:

Der Film beginnt in düsterer Stimmung: einige Männer betreten eine Gefängniszelle und wecken den Gefangenen Jean Picard (Flynn), um ihm mitzuteilen, daß seine Hinrichtung kurz bevorsteht. Bevor es jedoch soweit ist, wird er noch einmal von Kommissar Bonet (Paul Lukas) befragt zu den Ereignissen, die zu seiner Verurteilung geführt haben: er hat ein Schmuckgeschäft ausgeraubt und dabei den Nachtwächter, der ihn überraschte, getötet. Doch Picard ist nicht bereit, weiteres dazu zu sagen, und wird zur Guillotine abgeführt.

Man hat ihm bereits den Kragen vom Hemd abgeschnitten, als durch einen Luftangriff der Deutschen das Gefängnis zerstört wird. Picard überlebt und macht sich sofort aus dem Staub – zu seinem Freund Henri Duval (Sheldon Leonard). Der ist gerade mit seiner Freundin Louise (Faye Emerson) beschäftigt. Als es an der Tür klingelt, muß sich Louise im Schlafzimmer verstecken. Henri ist überrascht, daß Jean der Guillotine entkommen ist. Murrend macht er sich auf, die Forderungen von Jean nach Papieren und Geld zu erledigen – sonst würde sich Jean bei der Polizei an einige krumme Dinger von Henri erinnern…

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Auf der Flucht

Während sich Jean säubert und in Henris Kleiderschrank bedient, merkt er, daß noch eine Frau in der Wohnung ist. Schnell bekommt er ein tête-à-tête mit ihr, das nur durch die Rückkehr von Henri gestört wird. Louise versteckt sich wieder im Schlafzimmer. Jean erhält seine Papiere und macht sich auf den Weg. Doch Henri sieht die beiden Zigaretten und die Gläser und weiß nun von dem heimlichen Stelldichein. Er ist wütend und begibt sich zu Kommissar Bonet.

Während Jean und die ihm hinterhergereiste Louise einen gemeinsamen Abend in einem Hotel in Bordeaux verbringen, wird Jean wieder von Bonet verhaftet. Beide fahren im Zug zurück nach Paris. Doch der Zug kann nicht direkt weiterverkehren: ein Saboteur hat die Brücke über den Fluß Gartempe gesprengt, so daß die Reisenden aussteigen müssen und mit Booten übergesetzt werden sollen.

Wenn der Saboteur nicht binnen einer Woche gefunden wird oder sich selbst stellt, werden von den Deutschen einhundert Geiseln erschossen. Picard befragt Bonet über die Einzelheiten eines solchen Erschießungskommandos und findet, dies sei würdevoller als die Guillotine. Ihm kommt eine Idee: warum soll er sich nicht als Saboteur stellen – sterben muß er ohnehin, und diese Todesart sagt ihm mehr zu als die Guillotine.

Bonet hält von dieser Idee zunächst überhaupt nichts, doch während sie warten und etwas essen, drängt Jean immer weiter und Bonet beginnt allmählich weich zu werden. Als schließlich die einhundert Geiseln auf der Straße vorbeigetrieben werden, hat er sich entschieden: er verläßt sich auf das Wort eines Diebes und Mörders.

Gemeinsam gehen sie jetzt in die Nähe des Ortes des Attentats und begutachten diesen aus der Ferne. Picard soll sich die Einzelheiten gut einprägen. Anschließend suchen sie sich ein Zimmer in einem Ort in der Nähe.

Währenddessen halten die Einwohner, deren Familienmitglieder als Geiseln gehalten werden, eine Versammlung ab. Besonders eine ältere Dame, Madame Maret (Lucile Watson), deren Sohn betroffen ist, ist sehr engagiert. Sie verlangt, daß sich einige ältere Herren als Saboteur stellen, damit die jungen freikommen. Das Treffen wird jedoch unterbrochen und kein Beschluß gefaßt.

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Währenddessen üben Bonet und Picard in ihrem Hotelzimmer. Sie erfinden eine neue Identität für Jean. Bonet stellt einige Fragen, die man wahrscheinlich stellen wird. Doch Bonet wird das Gefühl nicht los, etwas vergessen zu haben. Spät in der Nacht begeben sie sich zur Ruhe, nicht ohne daß Bonet Picard mit Handschellen an das Bett fesselt.

Am folgenden Morgen informiert Bonet telefonisch den Polizeipräsidenten in Paris, daß Jean Picard tot sei – erschossen auf einer Verfolgungsjagd, seine Leiche fiel in einen Fluß und konnte bisher nicht geborgen werden. Der Präsident gewährt Bonet daraufhin ein paar Tage Urlaub. Picard hat das Gespräch mit angehört. Er bittet Bonet darum, ihm bis Dienstag Zeit zu geben. Erst bis Dienstag muß sich der Saboteur gestellt haben. Diese drei Tage will Jean noch leben. Doch Bonet lehnt zunächst ab.

Die beiden Männer begeben sich hinaus und werden Zeuge einer Unterredung der französischen Polizei mit einigen deutschen Beamten. Sicherheitshalber begeben sie sich in einen Laden und tun so, als ob sie sich für die Waren interessieren, um nicht aufzufallen. Dabei ergibt sich ein Gespräch mit der hübschen Verkäuferin Marianne (Jean Sullivan). Picard behauptet, er und sein Freund seien im Ort um zu angeln. Bonet spielt notgedrungen das Spiel mit, denn es befinden sich auch zwei Polizisten im Laden. Mit Erlaubnis von Madame Maret, der der Laden gehört und die ihre ganz eigenen Pläne verfolgt, zeigt Marianne den Männern den Bach. Bonet beginnt zu angeln, doch Jean hat keine Fische im Sinn. Er sitzt mit Marianne im Gras und flirtet ungeniert mit ihr.

Als die beiden Männer am Abend in ihre Unterkunft zurückkehren, erwartet sie dort ein Polizist. Er vermutet, daß die beiden zu den Saboteuren gehören – einen dritten Mann haben sie schon festgenommen. Der Polizist verlangt, daß sie sich ausweisen. Jean reagiert dabei geistesgegenwärtig und läßt Bonet zuerst seine Papiere zeigen und macht dabei Bemerkungen über die Berühmtheit des Inspektors. Natürlich ist der Polizist davon beeindruckt und entschuldigt sich vielmals, daß er den berühmten Bonet nicht erkannt hat. Dann wird der Gefangene (Ivan Triesault) hereingeführt. Bonet reagiert geistesgegenwärtig und tut so, als ob der ihm unbekannte Mann ebenfalls ein Mitglied der Sûreté wäre. Die Polizisten ziehen unverrichteter Dinge wieder ab.

Daraufhin stellt sich heraus, daß der Unbekannte tatsächlich der Saboteur ist. Während er sich wäscht, rastet Picard aus: er ärgert sich darüber, daß er Bonet geholfen hat. Ansonsten wäre er frei gewesen, da weder Picard noch der Saboteur „aus der Sache herausgekommen wären“. Doch Bonet erklärt ihm, daß er ihn in diesem Fall ohne Rücksicht erschossen hätte. Spät in der Nacht begleiten sie den Saboteur zu dem Treffpunkt, an dem er von einem Flugzeug abgeholt werden soll. Dabei erfahren sie wichtige Einzelheiten über die Tat – wie die Wachen an den Enden der Brücke überlistet wurden und daß diese mit einer Zeitbombe, nicht mit Dynamit, gesprengt wurde.

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Als Bonet am nächsten Morgen hustend aufwacht – er hat sich beim Angeln erkältet – hat Picard die Handschellen geknackt und ist verschwunden. Doch er kommt nicht weit. Bonet holt ihn bei der Apotheke ein. Picard tut so, als ob er Pillen gegen Bonets Husten holen wollte, doch natürlich wollte er eigentlich verschwinden.

Die beiden Männer verbringen den Rest des Sonntags mit Marianne in einem Weinberg. Bonet beobachtet aus der Ferne die Zweisamkeit von Picard und dem Mädchen. Marianne bittet Jean, noch nicht abzureisen. Sie ist ehrlich verliebt. Doch Jean muß gehen. Er tröstet Marianne mit dem Sprichwort „Die Zeit läßt die Liebe vergehen, und die Liebe läßt die Zeit vergehen.“

Inzwischen komplottiert Madame Maret weiter. Sie hat einige Männer engagiert, die aussagen sollen, daß sie die beiden Fremden bei der Brücke gesehen haben und daß diese dementsprechend die Saboteure sein müssen. Sie werden zwar vom Pfarrer dabei gestört und dieser verbietet ihnen die Aktion, doch Madame Maret stört sich nicht daran.

Aber auch Marianne hat von dem Plan mitbekommen und macht sich nun heimlich auf, um die Männer zu warnen. Sie trifft unterwegs auf Jean, der wieder einmal auf der Flucht ist. Er hat Inspektor Bonet endgültig getäuscht. Dieser darf auf Anordnung des Arztes das Bett nicht verlassen, doch Picard erweist sich als guter Schauspieler: er behauptet, nun doch beichten zu wollen. Bonet läßt sich erweichen, unter der Bedingung, daß Picard um 22 Uhr zurück ist. Picard verspricht es hoch und heilig, doch als er die Tür zu Bonets Zimmer geschlossen hat, weiß man, daß er nur an Flucht gedacht hat…

Marianne und Jean fliehen gemeinsam, nachdem Marianne ihm von dem Plan von Madame Maret berichtet hat. Inspektor Bonet beobachtet inzwischen von seinem Hotelzimmer aus eine Versammlung der Dorfbewohner, welche die beiden fremden Männer ausliefern will. Doch sie werden erneut vom Pfarrer gestört, der alle wieder nach Hause schickt.

Natürlich wartet Bonet danach vergeblich auf die Rückkehr von Picard. Dieser wird von Marianne zu der Straße geführt, die ihn zur spanischen Grenze bringen soll. Doch als er sich von ihr verabschieden will, will sie mit ihm kommen. Seine Einwände stören ihn nicht, und schließlich akzeptiert er ihren Wunsch. Beide lassen sich von einem Bauern auf seinem Karren mitnehmen, der ihnen auch Frühstück anbietet. Der Sohn des Bauernehepaares ist ebenfalls unter den Geiseln. Marianne zündet eine Kerze für ihn an, während die Eltern mit den anderen Dorfbewohnern für die Geiseln beten. Nach einem Disput mit Marianne über Patriotismus trifft Jean eine Entscheidung: er will nach Paris gehen, um sich von dortigen Freunden Geld zu holen, und dann zu Marianne zurückkehren, um mit ihr in Martinique ein neues Leben anzufangen. Marianne läßt ihn schweren Herzens ziehen und wartet auf ihn.

Währenddessen ist Inspektor Bonet ebenfalls nach Paris zurückgekehrt. Er muß eine schwerwiegende Entscheidung treffen: er ist nun der einzige, der die Geiseln noch retten kann. Er verfügt über die notwendigen Informationen und könnte sich als Saboteur stellen. Doch die Entscheidung wird ihm von Jean abgenommen. Er ist zurückgekehrt, und gemeinsam gehen die beiden Männer den Weg zu Ende.

Bonet begleitet Picard zum Hauptquartier der Deutschen…

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