Romantisches Abenteuer (aka Adventures of William Tell)

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Flynn mit Antonella Lualdi, die die weibliche Hauptrolle spielte

„Adventures of William Tell“ sollte Errol Flynns Prestigeprojekt werden, in das er sein Herzblut und einen Großteil seines Vermögens steckte – und beides verlor. Die Geschichte der Verfilmung und vor allem die „Geschichte danach“ ist äußerst spannend. An dieser Stelle einen Dank an Ralph Schiller und Brian Twist, die mich mit den notwendigen Hintergrundinformationen versorgt haben. Auch die von Steve Archer veröffentlichten Artikel lieferten wertvolle Informationen. Archer hat im Prinzip sämtliche Informationen, die noch irgendwie zugänglich waren, zusammengetragen. Er hat quasi alle damals noch lebenden Beteiligten befragt. Leider ist aus seinem Buchprojekt dann nichts mehr geworden.

„William Tell“ war als unabhängige Produktion angedacht. Als Regisseur hatte Flynn Jack Cardiff angeheuert, mit dem er bereits gut bei „Der Freibeuter“ zusammengearbeitet hatte. Barry Mahon, ein Freund von Flynn, sollte als sein Geschäftspartner und Vertreter fungieren. Als Co-Stars wurden u.a. Bruce Cabot, ein weiterer Freund von Flynn, der in „Herr des Wilden Westens“ den Bösewicht Jeff Surrett gespielt hatte, Guido Martufi als Tells Sohn Jemmy, und Waltraut Haas verpflichtet.

Der deutsche Titel des Films wäre „Romantisches Abenteuer“ gewesen. Der Film sollte im Aostatal, in Courmayeur, gedreht werden – am „Zahn des Riesens“ (Dente del Gigante) am Fuß des Mont Blanc. In einem Tal nordwestlich von Courmayeur, dem Val Ferret, wurde ein originalgetreues Dorf nachgebaut – und zwar nicht nur aus Pappmaché, sondern aus Stein, so daß es bis in die 80er Jahre zu besichtigen war. Dann fiel es leider Grundstücksspekulanten zum Opfer.

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So sah das Filmdorf aus

Das Hauptquartier der Produktion befand sich im nicht mehr existierenden Hotel „Monte Bianco“, in dem auch ein Großteil der Crew untergebracht war. Der Rest der Mannschaft wohnte in den Hotels Albergo Centrale, Ferrato und Edelweiß. Flynn, Mahon und Cardiff hatten außerhalb der Hotels eigene Appartements. Das örtliche Kino wurde zur Sichtung der täglichen Aufnahmen genutzt.

Die Finanzierung wurde von Flynn und seinen italienischen Partnern gesichert. Beide Seiten brachten 430,000$ auf. Hier kommt der mysteriöse Graf Adolfo Fossataro, ein italienischer Landbesitzer, ins Spiel. Er ist wohl letztendlich für das Scheitern des Projektes verantwortlich, denn er hatte aus dem gemeinsamen Konto Geld entnommen für ein „Bauprojekt“ – Geld, das er nie zurückzahlte. Er war dazu überhaupt nur in der Lage, weil es bei der Kontoeröffnung zu Ungenauigkeiten gekommen war. Festgelegt wurde, daß zur Geldentnahme aus dem Depot zwei Unterschriften nötig wären – allerdings, genauer gesagt, „eine von zweien“ und nicht notwendigerweise beide gleichzeitig.

Die Produktion begann am 14. Juni 1953. Drei Monate waren vorgesehen. Flynn kam sechs Tage nach Drehbeginn, also wahrscheinlich an seinem 54. Geburtstag, an; Waltraut Haas stieß irgendwann Ende Juni/Anfang Juli zur Produktion.

Am 29. Juni kursierten erste Gerüchte, daß wohl niemand bezahlt worden wäre. Am 4. Juli verließen die ersten Leute die Produktion, u.a. auch Fossataro. Anfang Juli ging dann das Geld endgültig aus. Cardiff filmte zunächst ohne Bezahlung weiter. Am 21. August verließ auch Bruce Cabot die Produktion und beschloß, Flynn wegen der ausstehenden Bezahlung zu verklagen.

An dieser Stelle zeigt sich ein tragischer Zug von Errol Flynns Persönlichkeit. Er war anscheinend nicht mit einer besonders guten Menschenkenntnis gesegnet. Bei der Wahl seiner Freunde bewies er kein sehr glückliches Händchen, er wurde meist von Leuten wie Bruce Cabot ausgenutzt. Cabot sorgte dafür, daß Flynns Sportwagen und sogar seine Kleidung und die seiner Frau konfisziert wurden. Die beiden Männer sahen sich danach nie wieder – Flynn vermied bewußt ein Zusammentreffen, weil er sonst nicht für Cabots Leben hätte garantieren können…

Ungefähr zu der Zeit flog Flynn nach Rom, um Geld aufzutreiben. Am 28. August wurden die Dreharbeiten eingestellt, das Team blieb aber größtenteils vor Ort. Laut Waltraut Haas war ein Grund für die Einstellung plötzlich auftretender Schnee. Es wurde zwar noch versucht, mit Blumen u. ä. alles ein wenig zu dekorieren, aber es war zwecklos.

Die verbleibende Crew zog irgendwann in ein preisgünstigeres Hotel um. Die Leute waren gezwungen, dort zu bleiben. Erst nach ungefähr vier Wochen half die italienische Filmgewerkschaft. Die wertvolle technische Ausrüstung verblieb in den Hotels, aber die Crew bekam Geld, um nach Rom zu reisen.

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Eines von zahlreichen Promofotos mit Waltraut Haas, die für die deutsche Presse entstanden. Im Hintergrund Flynns Schäferhund Cold Nose.

Es gibt mehrere Versionen, was mit dem Material passierte:

  1. Die Polizei beschlagnahmte die technische Ausrüstung, die Kostüme und die privaten Besitztümer der Crew.
  2. Die Scheinwerfer und Reflektoren wurden wegen Schulden beschlagnahmt, das Hotel beschlagnahmte die Kameras und die Filmrollen.
  3. Am 27. September ordnete das örtliche Gericht von Courmayeur die Beschlagnahmung des Eigentums der Company an, um die Gläubiger zu bezahlen. Zu dem Material gehörten auch die wertvollen Cinemascope-Kameras und die Negative.Am 3. Oktober brachen Jack Cardiff, David Crowley und seine Frau, der 3D-Kameramann Hermann Schopp und Waltraut Haas nach Rom auf – in Cardiffs Jeep und mit seinem Wohnwagenanhänger. Fechtexperte Enzo Musumeci Greco fuhr in seinem eigenen Wagen hinterher. Die Reise war wohl ziemlich abenteuerlich. Wieviel wurde nun tatsächlich gedreht? Auch hier variieren die Quellen: manche behaupten, es seien 40 Minuten, also ¼ des Drehbuchs, das würde den 34 der 140 Seiten des Skripts entsprechen, die auch im Gespräch sind. Waltraut Haas zufolge wurde die Hälfte des Films abgedreht; Errol Flynn selbst spricht in seiner Autobiographie von einem Drittel.
  4. 1956 gelang es Flynn, sich das Negativmaterial zu sichern. Was danach damit geschah, ist relativ undurchsichtig. Irgendwann wurde das Material erworben und schließlich der Boston University gestiftet – mit der Maßgabe, daß es bis zum Jahr 2100 nicht zugänglich ist. Das ist natürlich für Filmmaterial tödlich, vor allem, falls es nicht richtig gelagert wird… In den 90er Jahren gab es wohl eine Art Premiere in London von 10 Minuten des Filmmaterials… sonst wurde nichts davon öffentlich gemacht. Sammler sind ebenso auf der Jagd nach einem Exemplar des Drehbuches – bisher ohne Erfolg!
  5. Errol Flynn hatte am 14. November einen Auftritt in der BBC Radioshow „In Town Tonight“, wo er Werbung für eine Wiederaufnahme seines Films machte und versuchte, Geld zu bekommen. Alle, die das gedrehte Material sahen, lobten es – aber keiner wollte Geld investieren.
  6. Was allerdings letztendlich wirklich aus dem beschlagnahmten Material geworden ist, ist aus den Quellen nicht ersichtlich.

Inhalt:

Die Schweiz im 14. Jahrhundert. Das Land ächzt unter den österreichischen Besatzern. Der österreichische Kaiser ernennt den Aristokraten Gessler zum Vogt des Schweizer Örtchens Altdorf. Er soll den Kaiser dabei unterstützen, die Schweiz sicherer zu machen und den Widerstand der Bewohner zu brechen.

Gessler organisiert zunächst ein Fest für die Dorfbewohner, an dem auch Wilhelm Tell und sein Sohn teilnehmen. Während Tell seine Treffsicherheit mit der Armbrust demonstriert, wird sein Haus von Jost, einem weiteren Schergen der Österreicher, durchsucht. Bei seiner Heimkehr findet Tell die Leiche von Maria, die von Jost brutal vergewaltigt worden war. Tell verfolgt Jost und es kommt zu einem Zweikampf in einem See, aus dem Jost schwer verletzt fliehen kann.

Er rettet sich zu Gessler und behauptet dort, Tell habe sich der Haussuchung widersetzt und versucht, ihn zu töten. Gessler läßt am folgenden Tag eine Proklamation verlesen. Soldaten konfiszieren Besitztümer der Bauern und Tells Hütte wird niedergebrannt. Auf Tells Ergreifung wird eine Belohnung ausgesetzt.

Tell zieht sich mit einigen Getreuen in die Berge zurück und wird deren Anführer. Sie verschaffen sich zunächst durch einige Überfälle Vorräte und Waffen. Dann bereiten sie eine Falle für die Österreicher in Form eines künstlichen Damms vor, werden jedoch von einem Spion namens Gabrelle verraten und ergriffen.

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mit Antonella Lualdi

Als die Gefangenen Gessler vorgeführt werden, verlangt dieser von Tell, öffentlich seine Niederlage einzugestehen und fortan der österreichischen Krone zu dienen. Tell weigert sich und soll daraufhin zu Tode gepeitscht werden.

 

Unter den Zuschauern befindet sich auch Anna Walden, eine Schweizer Edeldame, die Gessler dazu bringt, Tell eine weitere Chance zu geben. Er muß nun einen Apfel von seines Sohnes Haupt schießen. Falls Tell versagt, werden sein Sohn und seine Freunde sterben.

Tell meistert die Aufgabe und gesteht auf Nachfrage Gesslers, daß sein zweiter Pfeil für Gessler reserviert war, falls er gefehlt hätte.

Wütend befiehlt Gessler, Tell und seine Männer in den Kerker zu werfen. Doch Anna befreit sie und sie fliehen zurück zu ihrem Lager in den Bergen, wo sie sich auf die für den nächsten Tag erwartete Attacke Gesslers vorbereiten.

Sie stellen den Damm fertig, mit dem eine riesige Lawine ausgelöst werden soll. Unter dieser wird die angreifende Armee Gesslers begraben und nach einem harten Zweikampf zwischen Gessler und Tell erschießt letzterer den Vogt mit seiner Armbrust. Gessler und seine Armee sind endlich besiegt.

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