Mr X auf Abwegen

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eines von zahlreichen Promofotos

 

Der Film liegt in einer synchronisierten deutschen Fassung vor, feierte seine Premiere in Deutschland jedoch nicht im Kino, sondern 1964 im Fernsehen. Thomas/Behlmer/McCarty gefiel er nicht besonders, aber eigentlich ist es eine wunderschöne Krimikomödie, der leider viel zu wenig Beachtung geschenkt wird und die dementsprechend selten im Deutschen Fernsehen gezeigt wird..

In diesem Film trifft Errol wieder einmal auf mehrere Schauspieler aus dem Warnerstall, mit denen er bereits gespielt hatte – neben Allen Jenkins (aus Ein Kerl zum Verlieben) u.a. Brenda Marshall als „Ersatz“ für Olivia de Havilland und natürlich auf Alan Hale, der diesmal nicht hundertprozentig auf Errols Seite steht…

Flynn bat Jack Warner immer wieder darum, leichte Komödien spielen zu dürfen. Nachdem er nun sieben historische Filme hintereinander in nicht einmal drei Jahren gedreht hatte, war es endlich soweit. Ursprünglich sollte wohl Olivia de Havilland die weibliche Hauptrolle spielen – doch die befand sich gerade in einer handfesten „revolutionären Phase“ gegen Jack Warner und lehnte der Reihe nach Filmangebote ab, weil sie es leid war, Errol Flynns nettes Mädchen zu spielen. Auch hatte sie gerade eine Krise mit Errol, nachdem sie einige Zeit zuvor einen Streit mit ihm wegen seines z.T. verantwortungslosen Verhaltens bei Dreharbeiten gehabt hatte. So griff man auf Brenda Marshall zurück, die man schon im Der Herr der Sieben Meere mit Errol geteamt hatte.

Der Film hätte der Wendepunkt in Errols Karriere werden können. Wäre er ein Kassenhit geworden, hätte man daraus eventuell sogar eine Serie gemacht. Detektivfilme waren Anfang der 40er Jahre groß in Mode. Doch leider hat es nicht sollen sein. Filme, in denen Flynn nicht den Helden verkörperte, waren nur magere Kassenerfolge. Und so war es leider auch mit diesem. So war wohl das Drehbuch laut einigen Kritikern nicht unbedingt perfekt, und auch die Regieführung durch Lloyd Bacon entsprach nicht der erfolgreichen eines Michael Curtiz, mit dem Errol jetzt erst einmal nicht mehr arbeiten wollte, nachdem er von ihm in fünf Filmen hintereinander gequält worden war. Die Quelle zu diesen Hintergrundinformationen war übrigens Flynnexperte Robert Matzens Blog über Errol und Olivia, in dem er ausführlich über den Film und seinen Hintergrund geschrieben hatte- leider existiert die Seite nicht mehr.

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Inhalt:

Der Film beginnt mit einer sehr mysteriösen Szene: wir sehen Errol Flynn alias Francis Warren und Allen Jenkins (in der Rolle seines Fahrers und Sekretärs Wilfred) nachts auf ein Haus zuschleichen. Flynn trägt Jenkins auf, die Leiter zu holen, und steigt diese dann hinauf. Oben angekommen, steigt er durch ein Fenster in das Haus ein, sehr bemüht, keinen Lärm zu machen. Vorsichtig lugt er um die Ecke – eine schlafende Frau liegt im Bett. Eine kleine Anspielung auf das Image, das Flynn inzwischen erworben hatte? Die Standuhr schlägt drei Mal. Flynn legt sich in das zweite, leere Bett und schläft ein.

Am nächsten Morgen sitzt Francis Warren am Frühstückstisch und läßt sich von einem Butler bedienen. Er fragt diesen, ob er den in der Zeitung erwähnten neuen Roman von F.X. Pettijohn, Mr X auf Abwegen oder Mord im Dienstagsclub, schon gelesen habe. Der Butler äußert sich sehr negativ über dieses Buch.

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Nun stoßen zwei Damen zu Francis – seine Frau Rita (Brenda Marshall) und seine Schwiegermutter Mrs Archer (Lucile Watson). Sie sind empört darüber, daß dieser Mr Pettijohn allen Damen ihres Donnerstagsclubs ein Exemplar seines Buches geschickt hat. Überhaupt ist dieses Buch ein Skandal, weil es sich über die Damen des Clubs lustig macht! Auch der Anwalt der Familie, Mr Carruthers, stößt zum gemeinsamen Familienfrühstück dazu. Die Damen haben ihn gebeten, die Sache in die Hand zu nehmen: sie wollen den Autor des Romans und den Verleger auf $100,000 verklagen. Francis schlägt vor, daß doch 200,000 besser wären. Dann verabschiedet er sich und nimmt Carruthers gleich mit.

Im Wagen versucht er, Carruthers zu überreden, die Klage zu verzögern. Er begründet es damit, daß sich die Damen nur lächerlich machen würden. Hier bekommen wir auch einen kleinen Einblick in Warrens Charakter. Er habe – im Gegensatz zu Carruthers – nur ein Mal geheiratet und sei glücklich dabei – weil er seiner Frau nicht alles erzähle.

Francis begibt sich in sein Büro. Er arbeitet offiziell als Investmentberater, doch diese Arbeit besteht überwiegend darin, daß er von seinen Angestellten vorbereitete Unterlagen unterzeichnet, bevor er das Büro nach kaum zehn Minuten wieder verläßt, um sich für ein paar Stunden in eine zweites Haus zu begeben. Warum, das wird dem Zuschauer bald klar. Francis Warren führt ein Doppelleben. Er ist der Autor F.X. Pettijohn. Während er einem herrlich altmodischen Diktiergerät seine Geschichten diktiert, ist es die Aufgabe seines Sekretärs, diese dann zu abzutippen.

Am Nachmittag hat Francis einen Termin mit einem Mann namens Leopold Fissue (Noel Madison). Dieser bittet ihn, in ein Geschäft einzuwilligen, bei dem es darum geht, Diamanten im Wert von 3-400,000$ in Geld umzusetzen. Fissue gibt Warren bis 6 Uhr abends Zeit sich zu entscheiden, und erwartet ihn dann bei sich zu Hause.

Warren und sein Sekretär fahren also zu Fissues Apartment, wo sie von einem orientalischen Diener namens Ahmed (Turhan Bey) freundlich und zuvorkommend empfangen werden. Warren ruft zu Hause an, daß er nicht zum Essen kommen kann wegen geschäftlicher Verpflichtungen, und erfährt dabei von seiner Frau, daß eine für ihn interessante Radiosendung kommt. Inspektor Mason (Alan Hale) bespricht dort das Buch „Mr X auf Abwegen“, auf Bitte der Damen vom Donnerstagclub. Warren und Wilfred hören sich die Besprechung an, die vernichtend für das Buch und den Autoren ausfällt. Warren begreift nun, daß er ein großes Problem hat: Mason weiß, daß er Pettijohn ist, und befürchtet, daß er es den Damen verraten könnte.

Bei Mason auf dem Polizeirevier wird er aber beruhigt – der Inspektor hat den Damen nicht verraten, daß er von Warrens Doppelleben weiß. Mason schlägt Francis vor, doch einmal bei echten Ermittlungen dabei zu sein – dann würde er sehen, daß er mit seiner Theorie nicht weit kommt. Kurz darauf wird Mason zu einem Fall gerufen – eine Yacht trieb ohne Licht am Hafen, und an Bord wurde eine Leiche entdeckt. Wahrscheinlich Tod aufgrund von Alkohol und Tabletten. Mason und sein Assistent Hopkins (William Frawley) begeben sich dort hin. Und auch Francis ist neugierig und taucht kurz danach dort auf.

Während die beiden Polizisten von einem natürlichen Tod ausgehen, behauptet Francis sofort, nachdem er den Namen des Toten erfahren hat, daß es Mord gewesen ist. Der Tote ist Leopold Fissue, der Juwelenimporteur, mit dem sich Francis treffen wollte. Die Herren von der Polizei sind natürlich sehr überrascht und bieten Francis an, mit ihnen zur Durchsuchung der Wohnung zu kommen.

In der Wohnung finden sie in Fissues Jackettaschen jede Menge abgerissener Theaterkarten – alle aus demselben Theater und von demselben Sitz. Auch der orientalische Diener taucht wieder auf, tut aber den Polizisten gegenüber so, als ob er kein Englisch verstehe. Mason erhält einen Anruf vom Polizeiarzt – der Tote sei eindeutig an Herzversagen gestorben.

Daraufhin ist für die Polizei der Fall erledigt. Francis bleibt jedoch noch und will mit dem Diener sprechen. Während der etwas zu trinken holt, beginnt Francis, die Wohnung zu durchsuchen. Als der Diener dies bemerkt, macht er sich aus dem Staub – und er ward nicht mehr gesehen. Für mich ist die Handlungslinie mit dem Diener die einzige Schwachstelle des Filmes. Es wird der Eindruck erweckt, als ob der Diener einiges weiß und eine wichtige Rolle spielt – doch dann verschwindet et, ohne daß später eine Aufklärung seiner Rolle erfolgt.

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Blondie schreitet zur Tat

 

Francis und sein Fahrer gehen daraufhin ins Theater um herauszufinden, weshalb Fissue dort immer denselben Platz hatte. Sie erleben den Auftritt von Blondie White (Lee Patrick), einer Sängerin, die mit ihrem geübten Auge Francis im Publikum erblickt. Um sie kennenzulernen, schickt er ihr Blumen unter dem Pseudonym Lucky Tex Gilbert und bittet sie zum Abendessen. Dabei stellt er sich als reichen Amerikaner dar, der herrlich skurril wirkt. Es gelingt ihm, Blondie zu ködern – sie ist hin und weg von ihrem Verehrer. Unglücklicherweise werden sie von einer Freundin von Rita gesehen, die natürlich sofort bei Rita anruft und erzählt, daß ihr Göttergatte mit einer fremden Frau aus ist…

Als Francis nach Hause kommt, ist er überrascht, seine Frau nicht wie sonst immer schlafend im Bett anzutreffen. Natürlich hat sie mit ihrer Mutter auf Francis’ Rückkehr gewartet und beide wollen nun herausfinden, ob der Anruf von June Brewster der Wahrheit entsprach. Francis redet sich damit heraus, daß in der Firma beraten werden mußte, was mit Carruthers gemacht werden soll – der angeblich ein Doppelleben führte. Natürlich glauben ihm die Damen nicht, und die Mutter engagiert daraufhin einen Privatdetektiv.

Francis will inzwischen Mason von seiner Mordtheorie überzeugen, doch dieser beharrt darauf, daß es kein Mord war. Während Francis weiter in seinem Zweithaus an seinem Roman arbeitet und von dem Detektiv beschattet wird, erhält er einen Anruf von Mason: dieser hat sich mit Blondie White getroffen, welche ein Alibi hat: sie war beim Zahnarzt während der Tatzeit.

Francis geht daraufhin zu eben diesem Zahnarzt, Dr. Davis (Ralph Bellamy), und versucht, Näheres in Erfahrung zu bringen, jedoch ohne Erfolg. Davis will am Ende wissen, wer ihn denn Mr Warren empfohlen hat. Francis bringt Blondie White ins Spiel und Mr Davis bestätigt noch einmal, daß Miss White zur Tatzeit bei ihm war.

Inzwischen berichtet der Detektiv den beiden Damen von seinen Beobachtungen. Mutter und Ehefrau wollen sich daraufhin Blondie White einmal ansehen und gehen ins Theater. Während anschließend Rita die Bewegungen und Verführungskünste von Blondie vor dem Spiegel übt, erfährt sie, daß Francis wieder einmal nicht zum Abendessen kommen wird.

Er ist bei Blondie. Diese erzählt ihm, daß sie von ihrem Exmann bedroht wird. Sie kommt auf die grandiose Idee, wegzuziehen und sich eine Beschäftigung zu suchen, „bis Gras über die Sache gewachsen ist“. Natürlich ist klar, daß sie auf Tex’ Geld aus ist. Er stimmt scheinbar zu und bietet ihr jede Summe an, die sie braucht. Als er nach Hause fahren will, wird er im Hausflur niedergeschlagen und ohnmächtig. Nachdem er wieder aufgewacht ist, findet er einen Zettel mit einer Warnung, die Finger von Blondie zu lassen.

Als Francis nach Hause kommt, wacht seine Frau auf und ist natürlich nicht begeistert von seinem späten Eintreffen. Obwohl Francis behauptet, es sei erst Mitternacht, schlägt kurz darauf die Standuhr – nur drei Mal. Francis macht einen kläglichen Versuch, geht aber nicht als Standuhr durch.

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„Sag mir die Wahrheit!“

 

 

Am nächsten Morgen wird er beim Frühstück von seiner Frau und seiner Schwiegermutter erwartet. Die Stimmung ist miserabel. Francis versucht, alles locker zu überspielen, doch auch seine üblichen Komplimente zu Mamas Frisur oder Kleid helfen ihm nicht. Rita erklärt, sie wisse von Blondie White. Francis ersucht daraufhin, alles auf Carruthers zu schieben. Zufällig taucht dieser dann auch auf und nachdem das Gespräch anfangs scheinbar Francis’ Version bestätigt, erklärt Carruthers, es handele sich bei der „White-Affäre“ um die Pleite eines seiner Kunden… Francis ergreift daraufhin die Flucht.

Er muß nun dringend den Fall aufklären, damit seine Ehe nicht zugrunde geht. Er fährt zu Blondie, die ihn damit beauftragt, einen Koffer aus einem Schließfach zu holen. Anschließend wollen sie sich bei den Schließfächern am Autobusbahnhof treffen. Inzwischen erfährt Inspektor Mason, daß der tote Fissue einem Diamantenschmuggelring angehört hat. Damit ist klar, daß er wahrscheinlich nicht einfach an Herzversagen gestorben ist. Er trägt seinem Assistenten auf, Warren in die Wohnung von Blondie White zu holen.

Jetzt überschlagen sich die Ereignisse: Blondie wird ermordet aufgefunden, und Francis wird vom Jäger zum Gejagten. Dieses Ende muß man sich selbst ansehen – und sich überraschen lassen, wer nun der Täter (oder die Täterin) war.

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„Wir müssen da rein!“

 

 

 

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