Flynn in Kuba

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Errol Flynn hatte Kuba bereits zu Batistas Zeiten regelmäßig besucht. Sein Film „Jagd durch Havanna“ wurde dort gedreht, und er schätzte das kubanische Nachtleben, die Clubs und die Glücksspiele. Sein erster Besuch fand laut eigener Aussage 1936 statt. Mit seiner in Boston neu erworbenen Yacht segelte er die Küste entlang südwärts. Bei Cape Hatteras kam er in schlechtes Wetter, segelte ostwärts zu den Bahamas und weiter nach Havanna. Dort ging er vor Anker, um einen Tag zu bleiben – letztendlich blieb er einen Monat oder mehr. (Thomas S. 219) Von da an war er regelmäßiger Gast auf der Insel.

Mit einem Freund namens Victor Pahlen besaß er ein Kino in Havanna, und er befand sich gerade dort, als die Nachricht von dem bevorstehenden Sieg Castros kam. Die Freunde entschieden, diese einmalige Gelegenheit zu nutzen und dort zu bleiben, um die Revolution zu filmen. Aus diesem Material entstanden die unten erwähnten Filme Cuban Story, eine Dokumentation, und Cuban Rebel Girls. Flynn selbst  sagte, Fidel Castro hätte ihn zu Beginn der Revolution eingeladen.

Die ganze Aktion war nicht ungefährlich. Castros Geheimpolizei war argwöhnisch, und es floß wohl eine Menge Geld, um Flynn den Weg in die Sierra-Mistra-Berge zu ebnen. Er selbst schreibt, daß er Wochen im Hotel Nacional ausharren mußte, bis er Castro treffen durfte. Bald entstanden Gerüchte, daß Flynn und Castro sich gar nicht getroffen hätten, doch gibt es Filmaufnahmen und Fotos.

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Er blieb fünf Tage bei den Rebellen, während seine Freundin Beverly Aadland im Commodore-Hotel in Havanna untergebracht war. Es gibt verschiedene Angaben darüber, wo Errol Flynn in Kuba wohnte. Einige sprechen vom Hotel Nacional; auch dieses Hotel selbst ist stolz darauf, Flynn zu seinen Gästen zählen zu können. Als er am 26. Dezember das Hotel Nacional verließ, belief sich seine Rechnung wohl auf $2,000 – die er nicht zahlen konnte, weswegen er Beverly womöglich als „Sicherheit“ dort ließ. In Havanna existiert auch der Commodore Yacht Club und dazu ein ebenso benanntes Hotel Commodore. Diese Quelle erwähnt Flynns Residenz in eben diesem Hotel. Robert Florczaks Recherchen haben ergeben, daß Flynn im November im Hotel Nacional, im Dezember im Gran Hotel in Camagüey und im Januar im Casa Grande in Santiago und dem Havana Hilton residierte (http://www.theerrolflynnblog.com/blog/_archives/2012/2/14/4997981.html#1576464) .

Über die Motive für Flynns Reise wird viel spekuliert. Viele, auch Errol selbst, sagen, daß er durch seine Helden- und Rebellenrollen inspiriert sehen wollte, ob Castro auch ein solcher Rebell und Held wäre. Vielleicht sah er es auch als eine Möglichkeit an, etwas letztes Großartiges zu hinterlassen. Schließlich hatte Flynn immer davon geträumt, als Schriftsteller anerkannt zu werden. Hier konnte er nun aus erster Hand über etwas berichten, das etwas Großes zu werden versprach. Er konnte mittendrin sein und der Welt davon berichten. In dem weiter unten erwähnten Artikel schreibt er selbst: „Seit meiner Kindheit wurde ich – vielleicht romantisch – angezogen von der Idee von Anliegen, Kreuzzügen. Und das deswegen, weil hinter der Fassade […] ein junger Mann ist, der noch an die Welt glaubt. […] Vielleicht hat das Filmen von Robin Hood abgefärbt – und wenn ich ein armes Land sehe, welches will, was ihm zusteht, nun, dann bin ich bereit, ihm die Hand zu reichen – selbst wenn es, wie einige sagen, nur ist, um nach einem Glas zu greifen.“ (Thomas S. 219) Er glaubte daran, daß hier etwas Großes geschah und sein Engagement war vollkommen ernst gemeint und nicht in erster Linie als Publicity-Gag intendiert.

Er traf mit der Hearst-Presse ein Abkommen über die journalistische Berichterstattung über seine Erlebnisse auf Kuba. So schrieb er einige Artikel, die erst vor kurzem in den Archiven der University of Texas im Austin’s Center für Amerikanische Geschichte wiederentdeckt wurden. Er berichtet, wie er Castro das Reden beibrachte und daß Castro zu ihm sagte, niemand außer Flynn kenne ihn und seinen Bruder Raul besser. Flynn hatte wahrscheinlich auch ein Treffen mit Che Guevara. Er beschreibt die Kämpfe und wie er ins Bein geschossen wurde. Er war auch bei der Vereidigung von Castro als Präsident im Februar 1959 dabei. Laut Thomas McNulty wurden diese Artikel letztendlich von Earl Conrad geschrieben, der die langen Manuskripte und Entwürfe, die Flynn ihm sandte, kürzte und bearbeitete, so daß sie unter Flynns Namen veröffentlicht werden konnten (McNulty S. 288).  In „The Writings of Errol Flynn“ ist ein Artikel aus dem Journal-American vom Februar 1959 abgedruckt:

Nach ein paar scherzhaften Bemerkungen über Batista, den Flynn sogar im Badetuch statt medaillenbehängt gesehen haben will, berichtet er von seinem Treffen mit Castro am 27. Dezember 1958. Flynn sollte ihn „Fidele“ nennen, die „intimere“ Form von „Fidel“. Die beiden unterhielten sich in Spanisch, soweit es ging, und mit Hilfe eines Dolmetschers. Auch bei Castro hat Errol einige Witze gerissen. Als Castro zu ihm sagte, er habe eine Art Alkoholallergie, erwiderte Flynn: „Die habe ich auch. Aber durch große Disziplin ist es mir gelungen, sie zu beseitigen.“ Er berichtet weiter über halsbrecherische Fahrten zu den Rebellen, über seine früheren Besuche auf Kuba, die bereits 1936 begonnen hatten, als Batista gerade an die Macht gekommen war. Das Treffen mit Castro und seine persönlichen Eindrücke von ihm beschreibt er sehr ausführlich. Er erzählt von seinen Eindrücken der Tage, die er mit Castro verbrachte, und er war dabei, als Batista Anfang 1959 floh.

Mit Flynn ging sein Freund Barry Mahon, Produzent von Gekreuzte Klingen und William Tell, nach Kuba. Wie schon erwähnt inspirierte Errol sein Aufenthalt dazu, zwei Filme zu drehen: zunächst Cuban Story, eine Art Dokumentation, die heute als Schlüsseldokumentation über die Revolution gesehen wird, da sie viele seltene Filmaufnahmen direkt aus dem Herzen der Geschehnisse enthält. Der Film wurde Anfang der 1960er Jahre auf einem Filmfestival in Moskau gezeigt, bevor er verschwand und erst 2001 wiedergefunden wurde. Er ist heute auf DVD erhältlich.

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Im Januar 1959 erschien Flynn in der kanadischen Fernsehsendung „Front Page Challenge“, wo er über seine Reise und Castro berichtete. Doch schien sich sein Enthusiasmus etwas abzuschwächen – von der anfänglichen Unterstützung distanzierte sich Flynn, weil er durch den Gang der Ereignisse wohl doch etwas desillusioniert war. Dennoch kehrte er im Frühjahr 1959 noch einmal nach Kuba zurück, um Cuban Rebel Girls mit Beverly Aadland zu drehen. Ein Film, der allgemein als Flynns schlechtester angesehen wird. Angeblich schuldete Flynn Vertragspartnern, die ihm Geld vorgeschossen hatten, noch einen Film, und als ihm klar wurde, daß er schon Material von der Revolution hatte, daß er den Film selbst schreiben, eine Rolle darin übernehmen und erzählen könnte und daß er seine Hauptdarstellerin ständig zur Verfügung hatte, ergriff er die Gelegenheit. Er schrieb das Drehbuch selbst, so daß eine Kombination aus Dokumentation und Spielfilm entstand.

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Flynn trug laut eigener Aussage eine Beinwunde davon, doch wird das manchmal auch angezweifelt. Erinnerungen an den spanischen Bürgerkrieg und die Meldungen über Flynns Tod werden wach. Der Aufenthalt in Kuba rief laut McNulty das FBI wieder auf den Plan, das seit 1950 nicht mehr besonders interessiert gewesen war an ihm. Repressalien im eigentlichen Sinne gab es jedoch nicht. Zur damaligen Zeit war der Welt noch nicht bekannt, daß Fidel Castro einmal einen kommunistischen Staat aufbauen würde. Erst in den frühen 1960er Jahren wandte er sich dem Marxismus zu. 1959 wurde er noch als Freiheitskämpfer angesehen, was auch die Faszination für Flynn ausmachte. Beverly Aadland sagte später: „Er war im Herzen ein Idealist, und das allein war ein Hauptgrund für seine Rebellion. Mit Castro fand er tausend gleichgesinnte Seelen.“ (zitiert und übersetzt aus McNulty S. 285)

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Was bleibt, sind Erinnerungen an Errol in Kuba, zum Beispiel Bilder in der Bar des Hotel Nacional. Danke an Peter, der mir das Bild vom Hotel Nacional heute zur Verfügung gestellt und mich auf die Idee zu diesem Artikel gebracht hat.

 

Quellen:

McNulty S. 285 ff.

Thomas, Tony (ed.): From a Life of Adventure: The Writings of Errol Flynn. Citadel Press 1980.

http://news.bbc.co.uk/2/hi/8298582.stm

http://john-seidenberg.suite101.com/errol-flynns-brief-flirtation-with-fidel-castro-a145109

http://www.theerrolflynnblog.com/blog/_archives/2007/2/9/2723910.html

http://www.scoopy.com/cubanrebelgirls.htm

 

 

 

Hotel Nacional

Hotel Nacional heute

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