Kindheit und Jugend

 

Quelle: John Hammond Moore: The Young Errol: Flynn before Hollywood. Trafford 2011.

Errol Flynn wurde am 20. Juni 1909 im Alexandra Private Hospital in Hobart, Tasmanien, geboren. Sein Vater Theodore Flynn war zu dieser Zeit Dozent an der Universität von Tasmanien, und Errols Eintritt in die Welt verlief ganz unspektakulär. Seine Eltern waren nicht, wie Errol in seiner Autobiographie behauptet, auf einer Expedition zur Antarktis – diese fand erst einige Jahre später statt. Mütterlicherseits kann er zu seinen Vorfahren Edward Young, ein Besatzungsmitglied der berühmten Bounty, zählen – die Publicity-Abteilung von Warners machte daraus später Fletcher Christian, den Flynn ja auch in seinem ersten Film spielte.

Errols Vorschuljahre verliefen ebenfalls relativ ruhig – er lernte schwimmen in den Wassern von Sandy Bay, besuchte häufig seine Großeltern in Sydney in den Sommerferien. Der Vater war sehr mit seiner Karriere beschäftigt, die gut lief, die Mutter, Lily Mary, die später ihren Namen zu „Marelle“ änderte, blieb zu Hause, war aber gelangweilt vom Provinzleben in Tasmanien. Errol betonte stets seine gute Beziehung zu seinem Vater und seine Abneigung seiner Mutter gegenüber.

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Ein seltenes Bild des kleinen Errol aus einer deutschen Illustrierten

 

Von 1909 bis 1919 hatte die Familie verschiedene Wohnsitze in Hobart. Die erste Schule, auf die Errol ging, war die Franklin House School. 1918 kam er auf die Hutchins School, eine angesehene Privatschule in Hobart. Bereits im April 1920 wechselte er auf die Friend’s School, wo er bis Ende des Schuljahres blieb.

Anfang der 1920er Jahre schifften sich Errol und sein Vater über Südafrika nach England ein. Das genaue Datum ist unbekannt und überhaupt ist nicht genau gesichert, wo Errol in der Zeit von 1920 bis 1923 war. Ende Oktober 1923 kamen Vater und Sohn in London an, im Juni 1924 kehrte Errol wieder von dort zurück. In seiner Autobiographie spricht er von einem South West London College, in dem er angeblich zwei miserable Jahre verbrachte. Sein Vater war mit seinen Forschungen beschäftigt, seine Mutter amüsierte sich mit ihrer Schwester in Paris. Nach dem Rauswurf aus dem South West London College war Errol laut eigener Aussage kurz auf Colet Court. Das South West London College ist jedoch nicht ganz genau zu lokalisieren und auch Nachforschungen bezüglich Colet Court sind bisher im Sande verlaufen.

Am 14. Juli 1924 jedenfalls tauchte Errol wieder in Hobart auf, und zwar in der Hobart High School, und dort gab er das South West London College als zuletzt besuchte Schule an. Seine Mutter blieb wohl bis auf sporadische Besuche weiterhin in Europa.

Ende 1925 wurde Errol auch aus der Hobart High School rausgeworfen, weil er auf einem Fest den Leuten Eiscreme auf den Kopf geworfen und dem Schuldirektor Molasse auf das Lenkrad von dessen Auto geschmiert hatte.

Am 23. Januar 1926 verließ Professor Flynn Hobart in Richtung Sydney, im März folgte Errol. Er besuchte dort eine relativ berühmte australische Schule, die SCEGS (Sydney Church of England Grammar School, kurz Shore). Seine sportlichen Erfolge vor allem im Tennis und Boxen konnten sich sehen lassen – in den anderen Fächern war er weniger gut. Im August 1926 wurde er erneut aus der Schule geworfen, wahrscheinlich wegen einer kleinen Affäre mit einer jungen Frau namens Elsie – die Konkurrenz um sie führte entweder zu einer Schlägerei, deretwegen Errol die Schule verlassen mußte, oder aber er wurde mit dieser Elsie in flagranti erwischt. Eine weitere Version besagt, daß er angeblich Geld gestohlen habe. Auf alle Fälle existieren über ihn an der Schule keinerlei Dokumente mehr, er wurde sozusagen „ausgelöscht“ aus den Annalen dieser ehrwürdigen Institution, was außer ihm nur noch fünf anderen ehemaligen Schülern gelang.

Dies war das Ende von Errol Flynns Schullaufbahn, nur wenige Wochen nach seinem 17. Geburtstag. In seiner Autobiographie beschreibt Errol wie allein er nun war, doch in Wahrheit hatte er seine Großeltern, die sich sicher kümmerten, und andere Verwandte und Bekannte in Sydney.

Bald machte Errol die Bekanntschaft des jungen Geschäftsmannes Kenneth Hunter-Kerr, der von 1926 bis 1933 beträchtlichen Einfluß auf sein Leben haben sollte, jedoch in Flynns Autobiographie nicht einmal erwähnt wird. Ken verschaffte Errol einen ersten Job bei Dalgety & Co. Ltd., einer Im- und Exportfirma, wo er zunächst in der Postabteilung und später in der Werft- und Verlade-/Löschungsabteilung arbeitete.

In Kens Freundeskreis machte Errol die Bekanntschaft vieler hübscher Frauen, alle etwas älter als er selbst. Unter anderem traf er auch Naomi Dibbs, mit der er später eine Zeitlang verlobt sein sollte. Die Schwierigkeit für ihn war nur, daß diese Freunde vergleichsweise wohlhabend waren, während er nur ein kleines Angestelltengehalt bezog.

Dieses Problem führte wahrscheinlich letztendlich auch dazu, daß Flynn Ende August bereits wieder entlassen wurde, weil er wahrscheinlich Geld für einen Fahrradkauf aus der Firmenkasse entwendet hatte. Fahrrad und Geld gingen letztendlich zurück, und Errol stand ohne Arbeit da.

Nun richtete er seine Aufmerksamkeit auf Neuguinea, denn Geschichten von plötzlichem Reichtum fanden sich in den Zeitungen. Ende September 1927 schiffte er sich auf der Montoro nach Rabaul ein. Woher er das Geld für die Fahrt hatte, ist nicht geklärt, Errol selbst erzählt eine wilde Geschichte in seiner Autobiographie, die aber nicht stimmen kann.

Und nun begann wohl der abenteuerlichste Teil seines Leben.

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