Die Hochzeit von Errol Flynn und Patrice Wymore

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Die Hochzeit von Errol Flynn und Patrice Wymore erhielt in der französischen Presse ausführliche Beachtung – wie eigentlich alles, was der berühmte Hollywoodstar machte. Die Meldungen sind zum Teil jedoch widersprüchlich und manchmal schleichen sich auch „sensationelle“ Tatsachen ein, die jedoch eher unwahrscheinlich sind. Hier ein Versuch, die Hochzeit zu rekonstruieren.

Die standesamtliche Trauung fand am Vormittag in Monte Carlo statt. Die Zeremonie wurde vom Bürgermeister Charles Palmaro persönlich geleitet. Anwesend waren die Eheleute, die Eltern der Braut, je vier Brautjungfern mit Partnern und die Trauzeugen, Errols Freund Freddie McEvoy und dessen Frau Claude. Die Zeremonie begann um 11 Uhr im in den französisch-amerikanisch-monegassisch Farben dekorierten Saal im Rathaus. Flynn kam als erster; insgesamt fuhren fünf Limousinen vor. Während der Zeremonie übersetzte Errol seiner Braut die auf Französisch vom Bürgermeister vorgetragenen Heiratsartikel. Die berühmte Frage beantwortete er um 11.15 Uhr mit oui, Patrice mit yes. Der Bürgermeister gratulierte und überreichte dem Paar zwei Erinnerungsmedaillen mit dem Wappen von Monaco. Ein Zögern der Braut beim Unterschreiben wurde zuerst auf eine eventuelle Unsicherheit wegen der verlesenen Heiratsartikel zurückgeführt, lag aber an Patrice’ Kurzsichtigkeit – sie sah nicht genau, wo sie unterschreiben sollte. Die Eheleute und die Trauzeugen verewigten sich auch im Goldenen Buch. Als das Paar das Rathaus verließ, wurde es von einem wahren Reishagelschauer begrüßt.

Auch die Kleiderfrage wurde intensiv betrachtet: Patrice trug ein weißes Balmain-Kostüm mit einem Schal mit hellblauen und weißen Schottenkaros, weiße Handschuhe und ein einreihiges Perlencollier. Errol trug einen marineblauen Gabardineanzug, schwarze Wildlederschuhe und eine weiße Tagetes im Knopfloch.

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Nach der Zeremonie ging jeder für sich zum Mittagessen – Patrice und ihre Eltern im Hotel de Paris in Monte Carlo, Errol begab sich zur Zaca, wo er wahrscheinlich nichts zu sich nahm.

Patrice zog sich dann um und verließ um 15 Uhr Monte Carlo. Für 16 Uhr war die kirchliche Trauung angesetzt, sie begann aber mit zwanzig Minuten Verspätung, sicher auch wegen der über 2000 Menschen auf den Straßen von Nizza. Errol betrat die lutherische Kirche von der Tür der Sakristei aus, gefolgt von den Trauzeugen, und erwartete vor dem Altar seine Braut. Diese betrat die Kirche durch den Haupteingang am Arm ihres Vaters. Unter Orgelmusik wurde sie zum Altar geführt, wo der Brautvater Patrice’ rechte Hand nahm und sie dem Bräutigam übergab.

Die Zeremonie wurde von Pastor Gueutal aus Paris, einem Freund von Errol, durchgeführt. Der Pastor war der Ehemann der Schauspielerin Dita Parlo, die ebenfalls anwesend war. Die Zeremonie dauerte 45 Minuten und fand auf Englisch statt, ohne Chor. Es waren in der Kirche keine Fotografen zugelassen. Dennoch existiert ein Bild:

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Auf Wunsch des Bräutigams wurde die Kirche mit einigen amerikanischen Soldaten gefüllt. Nach der Zeremonie gratulierte der Bürgermeister von Nizza.

Patrice trug ein weißes Spitzenkleid, das sie selbst entworfen und dessen Anfertigung sie in New York auch überwacht hatte. Es war wohl ein Geschenk von Warner Brothers. Dazu trug sie ein Spitzenhäubchen mit einem hüftlangen Schleier und 60 Glückscents in den Schuhen. Errol trug einen Cut mit gestreifter Hose.

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Über den Zeitplan des Abends sind sich die Zeitungen nicht ganz einig. Wahrscheinlich um 17 Uhr fand es ein zweistündiger Empfang im Salle Empire des Hotel de Paris in Monte Carlo für 150 geladene Gäste statt. Das Paar eröffnete den Ball mit der Melodie Tea for Two. Der Hochzeitskuchen war 35 Kilo schwer und kostete 50.000 Francs, Patrice brauchte ca. eine Viertelstunde, um ihn aufzuschneiden und Errol mußte ihr zur Hilfe kommen. 100 Flaschen Champagner wurden serviert.

Gegen 19 Uhr zog sich Patrice auf ihr Zimmer zurück, nachdem sie ihren Ehrendamen eine Tagetes zugeworfen hatte, die sie in ihrem Strumpfband aufbewahrt hatte. Errol begab sich zur Zaca, wo er den Cut gegen einen Anzug eintauschte. Beide tauchten in marineinspirierter Kleidung wieder auf. Auf der Zaca gab es einen kleinen intimen Empfang. Die Zaca lag zwischen McEvoys Kangaroo und Prince Rainiers Yacht vor Anker.

Am Ende des Abends wurde Errol zitiert, man habe ihn oft einen Teufel genannt, und er sei auch einer gewesen. Aber nun erkläre er, daß der Teufel zum Einsiedler geworden sei.

Wohl gegen 20 oder eher gegen 22 Uhr war das Paar endlich allein – Zeit für ein Candle Light Dinner mit Kaviar, Muscheln, Fasan, Erdbeeren mit Creme und einem Château-Latour von 1929.

Patrice hatte Errol zur Hochzeit einen Traktor geschenkt für die Farm auf Jamaica, manche Zeitungen meinten auch, es sei ein Geschenk der Schwiegereltern gewesen. Claude McEvoy schenkte einen kleinen Cocker, der nach dem Champagner „Greno“ getauft wurde.

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Die Gesamtkosten der Hochzeit beliefen sich auf etwa 300.000 Francs – etwa 1/10 dessen, was es in den USA gekostet hätte.

Quellen:

Le Monde vom 24.10.1950

France Soir vom 24.10.1950

Aurore vom 24.10.1950

Samedi Soir vom 28.10.1950

France Dimanche vom 29.10.1950

Parisien Libéré vom 24.10.1950

marrpat

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