Herr der Lage

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Der Film kam am 9. November 1946 in die US-amerikanischen Kinos. Es war Flynns einziger Film in diesem Jahr. Leider gibt es keine deutschsprachige Version – seltsamerweise aber einen kompletten Satz deutscher Aushangfotos mit dem Titel „Herr der Lage“, was beweist, daß eine Synchronisation zumindest angedacht war, aber aus irgendwelchen Gründen letztendlich nicht zustande kam. Schade!

Flynn spielte zum 1. Mal zusammen mit Eleanor Parker in der weiblichen Hauptrolle. Die Chemie zwischen beiden ist gut, auch wenn Parkers Spielweise etwas gewöhnungsbedürftig ist. Sie trat später auch in „Escape Me Never“ mit Flynn auf. Ebenfalls zum 1. Mal in einem Flynn-Film taucht Tom d’Andrea auf, mit dem er erneut in „Herr der Silberminen“ spielen sollte. S.Z. Sakall ist schon ein alter Bekannter, der für viele komische Einlagen verantwortlich zeichnet.

Regie führte James V. Kern, der keine großen Kinoerfolge für sich zu verzeichnen hat, später aber viel für das Fernsehen arbeitete. Die Musik stammt von Friedrich Holländer, Sohn des berühmten Komponisten Victor Holländer und selbst ein großer Filmkomponist.

Errol Flynn wollte immer gern in Komödien spielen, und „Herr der Lage“ ist eine solche. Wer alte Filme dieser Art mag, wird „Herr der Lage“ lieben. Flynn spielt einen erfolgreichen Künstler, der von seiner Ex-Frau geschieden ist – dies jedoch hauptsächlich auf Betreiben seiner Ex-Schweigermutter, welche die ständigen Flirtereien des Ex-Schwiegersohnes nicht mehr ertragen konnte. Eine Anspielung auf Flynns Image ist hier sicher nicht zufällig. Das gemeinsame Kind verbringt jeweils ein halbes Jahr beim Vater und bei der Mutter und ist darüber natürlich todunglücklich.

Der Film beginnt mit einer sehr witzigen Szene in einem Warenhaus. Ellen Gayley (Eleanor Parker) kauft einen Mantel für ihre siebenjährige Tochter. Das Modell, das ihr die Verkäuferin vorschlägt, ist ihr allerdings zu extravagant. Sie greift zu einem konservativeren und läßt es an ihre Adresse senden – als Willkommensgeschenk für ihre Tochter, die 6 Monate bei ihrem Vater gelebt hat. Als sie das Kaufhaus verläßt, betritt ihr Ex-Mann Phil (Flynn) es, ebenfalls auf der Suche nach einem Mantel – als Abschiedsgeschenk für seine Tochter. Er wählt das schickere Modell aus, das Ellen nicht gefallen hatte.

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Flip (Patti Brady), die Tochter von Ellen und Philipp, freut sich zu Hause sehr über Daddies Geschenk, das er mit einem Boten gesendet hat, da er noch arbeiten muß. Sie trifft ihn in Luigis Restaurant zum Mittagessen. Luigi (S.Z. Sakall) beansprucht für sich, Phil und Ellen damals zusammengebracht zu haben.

Wieder zu Hause begutachtet Daddy Phil die Spezialitäten, die Flip für ihren Brieffreund, einen Marine namens Fenwick Lonkowski (Forrest Tucker) ausgesucht hat. Sie will ihm auch ein Bild von sich mitschicken, doch Phil meint, es wäre besser, eine seiner Zeichnungen von Ellen zu senden. „Nichts ist zu gut für die Marines“, so seine Meinung.

Dann ist es Zeit zum Abschiednehmen. Flip muß zu ihrer Mutter für die nächsten sechs Monate. Als Ellen erfährt, daß Phil ihre gemeinsame Tochter persönlich bringt, zieht sie sich noch einmal um. In einem Gespräch zwischen Mutter (Lucile Watson) und Tochter merkt man, daß Ellen sehr stark von dieser beeinflußt wurde, als es um die Scheidung ging – denn obwohl sie anerkennt, daß ihr Ex-Schwiegersohn eine Menge Charme hat, so sieht sie das auch als Problem, weil er diesen bei anderen Frauen nicht abstellen kann.

Flip und ihr Vater kommen an und die Wiedersehensfreude ist groß. Ellen behauptet Phil gegenüber, daß sie in den letzten Monaten ja kaum geschlafen hätte, weil sie nur auf Parties war – damit will sie ihn eifersüchtig machen. Als er sie jedoch zum Essen einlädt, ist sie Feuer und Flamme und hat rein zufällig an diesem Abend zum ersten Mal seit Wochen keine Verabredung.

Flip schaut den beiden aus dem Fenster nach und hofft sehr, daß sie wieder zusammenkommen. Dann wäre sie vielleicht Blumenmädchen auf der Hochzeit ihrer eigenen Mutter.

Ellen und Phil gehen zu Luigi und tanzen, und dabei wird das Lied der beiden, „Remember Me“, gespielt. Phil singt ein paar Takte, und alles scheint ganz wunderbar… doch das Date entwickelt sich katastrophal. Nancy (Peggy Knudsen), das Model, das Phil zur Zeit malt, taucht nämlich auch auf, und plötzlich hat Phil zwei Dates. Er versucht, immer hin und her zu rennen, unterstützt von Luigi, was zu allerlei witzigen Situationen führt. Letztendlich findet Ellen jedoch heraus, daß Phil sie wieder einmal angelogen hat, und geht enttäuscht nach Hause.

Phil darf daraufhin nicht einmal seine Tochter zu Weihnachten sehen, und damit er trotzdem bei ihr sein kann, verkleidet er sich als Weihnachtsmann. Dies führt natürlich wieder zu einigen Verwicklungen. So gibt es eine herrlich witzige Szene, in der Phil als Weihnachtsmann verkleidet das Spiegelbild von Ellens Verehrer Rex (Donald Woods), der auch als Weihnachtsmann verkleidet ist, spielt. Als Rex dies bemerkt, jagen die Weihnachtsmänner einander durch das Haus, und am Ende hat Weihnachtsmann Phil den Sack mit den Geschenken, so daß er die Bescherung machen kann. Aufgrund seines seltsamen Verhaltens merkt Ellen dies jedoch, und Phil muß das Haus wieder verlassen – nicht ohne Rex vorher eine Abreibung verpaßt zu haben.

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Vor dem Haus trifft er Luigi, der auch den Weihnachtsmann für Flip spielen wollte. Da dies nun nicht mehr nötig ist, machen die beiden Freunde eine kleine Privatfeier… und wachen am nächsten Morgen mit einem heftigen Kater in Phils Wohnung auf. Da taucht plötzlich Ellen auf – zuerst will sie Phil darum bitten, Flip nicht mehr zu besuchen, wenn sie bei ihr wohnt. Flip vermisse ihren Daddy dann um so mehr. Doch Phil gelingt es, sie umzustimmen. Sie wollen sogar zu dritt wegfahren. Aber da kommt Nancy dazwischen, und Ellen ist erneut zutiefst enttäuscht.

Als sie nach Hause zurückkehrt, muß sie feststellen, daß ein fremder Mann in ihrem Schlafzimmer ist – Fenwick ist zu Besuch gekommen, und da Flip ihrer Mutter nichts von der Brieffreundschaft erzählt hat, ist diese natürlich zunächst zu Tode erschrocken. Aber nachdem Flip alles erklärt hat, sieht Ellen die Gelegenheit, Phil eifersüchtig zu machen.

Als Phil anruft, erzählt Flip ihm, daß Fenwick gekommen ist – sie beschreibt ihn allerdings als kleinen, dicken Mann mit Brille. Phil und Luigi amüsieren sich prächtig darüber – bis Phil zufällig in Luigis Bar auf Fenwick und Ellen trifft. Ellen stellt Phil als ihren Schwager vor, und der muß hilflos zusehen, wie „Wickie“ und seine Ex-Frau stundenlang tanzen.

Schließlich fahren sie gemeinsam heim, und Phil ist äußerst beunruhigt, als er mitbekommt, daß Fenwick bei Ellen übernachten wird und seine Ex-Schwiegermutter nicht zu Hause ist. Also provoziert er den Taxifahrer, bis dieser ihn niederschlägt. Fenwick, ergriffen von Mitleid, sorgt dafür, daß „Onkel Phil“ auch in Ellens Haus übernachtet – nichts anderes wollte er erreichen.

Fenwick erklärt Phil seine Absicht, Ellen heiraten zu wollen, woraufhin Phil vor Ellens Ex-Mann warnt, der angeblich viel größer und stärker war als Fenwick. Als Phil mitten in der Nacht aufwacht, ist Fenwick nicht mehr in seinem Bett. Phil macht sich entsetzt auf die Suche und findet ihn in der Küche. Er kann nicht schlafen, und nachdem Phil vergeblich versucht hat, die Geräusche des Dschungels für ihn nachzumachen, machen sie noch Gymnastik, wobei sich Phil jedoch selbst ausknockt.

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Am nächsten Morgen überlegt er, wie er Fenwick wieder loswerden kann. Schließlich hat er die Idee, den eifersüchtigen Ex-Mann von Ellen zu spielen. Er kommt als eine Art Humphrey-Bogart-Verschnitt daher (unterstützt von Bogarts Stimme, die im Original hineinsynchronisiert wurde), wird aber von Fenwick ausgeknockt. Ellen kommt mit ihrer Mutter heim, und Phils Maskerade fliegt auf. Dabei sagt er Fenwick auch gleich noch, daß Flip all die Briefe geschrieben hat.

Flip ist todunglücklich, als ihr Vater das Haus verläßt, denn sie fürchtet, nun ist alles vorbei. Fenwick tröstet sie jedoch und hat eine Idee, wie man ihr helfen kann. Er bringt sie heimlich zu Luigi mit der Anweisung, den Eltern nichts zu sagen. Gleichzeitig hinterläßt Flip einen Zettel, daß sie fortgelaufen ist.

Doch letztendlich geht natürlich alles gut aus: Ellen und Phil kommen wieder zusammen und unternehmen eine 2. Hochzeitsreise, von der sie Flip einen kleinen Bruder mitbringen sollen…

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Errol als Sportler

Daß Errol Flynn mit seiner durchtrainierten Figur auch ein ausgezeichneter Sportler war, steht außer Frage. Neben dem Segeln und allen möglichen anderen Sportarten war Tennis diejenige, bei der er sich am meisten auszeichnete. Er galt als einer der besten Tennisspieler der Hollywood-Gemeinde und spielte gegen damalige Größen wie Bill Tilden. Neben Johnny Weissmuller war er ein wirklicher Top-Athlet der Filmgemeinde. Die Filmzeitschriften von damals brachten immer wieder Bilder von Errol in Aktion. Ein kleiner Ausschnitt ist in der Galerie zu betrachten.

Daß Errol so gut war, daß er es beinahe einmal in die US Open schaffte, ist weniger bekannt. Er hatte sich 1940 mit seinem Freund, dem Wimbledon Champion Sidney Wood, für die US Meisterschaft im Doppel qualifiziert. (siehe: http://www.worldtennismagazine.com/archives/6374) Sie dachten jedoch nicht ernsthaft daran, dort teilzunehmen. Vielleicht hätten sie aber ein ganz gutes Spiel geliefert – denn während des Qualifizierungsturniers in Santa Barbara, so Wood, räumten sie auch ein paar exzellente Spieler aus dem Weg. Errol spielte unter Druck wohl besonders gut.

Die beiden hatten sich vor Errols Durchbruch als Superstar getroffen, als Flynn häufig im L.A. Tennis Club auftauchte, einerseits weil er Sport liebte, andererseits weil er auf Kontakte hoffte und auf einen Mini-Job, um sich überhaupt etwas Geld zu verdienen. Wood spricht in dem angegebenen Artikel sehr warm über Flynn und bedauert dessen späteren Abstieg. Solange die beiden in Kontakt waren, deutete nichts darauf hin. Wood berichtet sogar von einem Nachtclub-Besuch, bei dem Flynn nicht auf die eindeutigen Angebote junger Damen einging.

Die beiden verloren sich mit der Zeit aus den Augen, weil Wood nach New York zog und Flynn nach Europa ging. Irgendwann, nachdem Flynn aus Cuba zurückgekehrt war, trafen sie sich wieder, aber Errol erkannte seinen einstigen Freund nicht einmal mehr…

Doch Flynn spielte nicht nur Tennis – er führte wahrscheinlich den Wasserskisport in den USA ein (s. die Geschichte von David Niven), und überhaupt liebte er alles, was mit Wasser in Verbindung stand, z.B. auch Tauchen. Er gehörte mit David Niven zum Hollywood Cricket Club. Er war ein guter Reiter, Boxer und Fechter – all dies kam ihm im Film zugute, auch wenn er von sich selbst sagte, daß er in einem „echten“ Duell wahrscheinlich den kürzeren ziehen würde. Er wüßte eher, wie man das Fechten gut aussehen lassen könne, als daß er es selbst beherrsche. Das Bogenschießen erlernte er von seinem Freund Howard Hill… und übte es vor allem bei den Dreharbeiten zu „Robin Hood“ aktiv aus. Hill brachte ihm auch bei, mit Pfeil und Bogen Fische zu erlegen.

Bis ins Alter suchte Flynn immer wieder nach dem Kick, wie auch Earl Conrad in seinem Buch „Errol Flynn – A Memoir“ berichtet. Auch wenn seine Fitneß allmählich nachließ – er brauchte das Wasser, er brauchte das Adrenalin, das er sich durch körperliche Aktivitäten holte.

 

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A Wife for the Czar

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Dies ist Episode 22, ausgestrahlt am 14. Juni 1957.

1670 in Moskau. Zar Alexis (Errol Flynn), der 2. Zar der Romanow-Dynastie, ist noch immer, nach 25 Regierungsjahren, ein äußerst lebensfreudiger Mann, ja sogar ein Schürzenjäger, der zu Beginn der Episode einer hübschen jungen Frau hinterherjagt. Als er sie nicht finden kann, weil seine Mutter sie beschützt, erfährt man mehr über seine Verhältnisse. Er ist seit 3 Jahren Witwer und hat zwar 13 Kinder, aber davon 2 „idiotische“ Söhne. Deswegen, so seine Mutter, sollte er wieder heiraten.

Bald ergeht ein Befehl des Zaren an alle Familien, daß ein jeder Vater seine Töchter präsentieren möge – wer sich weigert, dem wird mit harschen Strafen gedroht.

Schnitt zur jungen Natascha (Patrice Wymore), die klar ihrem Vormund, dem Ataman (Francis De Wolff), ihre Absicht erklärt, keinen Zar heiraten zu wollen. Doch da sieht sie einen gutaussehenden Edelmann auf ihr Haus zukommen – und muß sich natürlich für ihn zurechtmachen. Der Edelmann ist kein anderer als der inkognito reisende Zar.

Er lernt Natascha kennen und unterhält sich angeregt mit ihr. Dabei behauptet sie, daß sie, da sie kein Vermögen und keine Familie mehr hat, wahrscheinlich als Nonne enden wird. Als Alexis sie fragt, wie er ihr als Ehemann gefallen würde, antwortet sie, daß sie lieber selbst einen Mann für sich finden würde – oder Single bleibt.

Der Zar reist wieder nach Hause, besucht jedoch den Ataman nach einer Woche erneut. Er erklärt ihm, daß er Natascha ehelichen wird. Der Ataman warnt jedoch: Frauen, die vom Zar nicht in der traditionellen Weise gewählt wurden, haben meist nicht lange gelebt aufgrund bestimmter Intrigen bei Hofe. Der Zar läßt sich schließlich davon überzeugen, den Traditionen zu folgen.

Doch Natascha weigert sich weiterhin, den ihr unbekannten Zaren zu ehelichen. Als sie schon im Palast ist, will sie sich aus dem Fenster abseilen. Der Zar kann dies in letzter Sekunde verhindern – da erkennt Natascha ihren Alexis und gibt sich geschlagen.

Die Geschichte basiert auf der historischen Persönlichkeit von Alexei I., russischer Zar von 1645 bis 1676, der in der Tat in 2. Ehe eine 22 Jahre jüngere Frau heiratete – eben diese Natascha. Die beiden sind die Eltern von Peter dem Großen.

Der Schauspieler Francis De Wolff, der den Ataman spielt, war ein bekannter britischer Charakterdarsteller. Er spielte auch mit Flynn in „Der Freibeuter“ (als Matthew Bull, der 1. Maat von Mendoza) und „King’s Rhapsody“ (als Premierminister).

 

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Kreuzworträtsel ganz einfach

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Gentleman Jim, der freche Kavalier

gj0Dieser Film liegt in einer synchronisierten Fassung vor und wird ab und zu im deutschen Fernsehen gezeigt. Er kam am 1. Oktober 1948 in die deutschen Kinos, also sechs Jahre nach der US-amerikanischen Uraufführung.

Laut Errol Flynn gehörte dieser Film zu seinen liebsten, was man durchgängig an seiner Spielfreude und Dynamik merkt. Doch während der Dreharbeiten zeigten sich erste Anzeichen seines zu schnellen Lebens: während der Dreharbeiten zum Kampf mit John L. Sullivan kollabierte er. Ein leichter Herzinfarkt zeigte, daß es um seine Gesundheit nicht mehr zum besten stand und er mit Recht ein paar Wochen zuvor nicht zum Armeedienst zugelassen worden war. Der Film wurde von Warners in die Kinos gebracht, als sich positive Auswirkungen in Sachen Publikumsinteresse aufgrund des Vergewaltigungsprozesses bei „Sabotageauftrag Berlin“ zeigten. Regie führte Raoul Walsh, die Musik stammt von Heinz Roemheld, einem in Verbindung mit Flynn eher unbekannten Komponisten, der aber die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts gut einfängt.

Der Film basiert auf dem Leben des James J. Corbett, einer Boxlegende des 19. Jahrhunderts. Wenn man Bilder von diesem sieht, erkennt man durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit Flynn, obwohl der echte Corbett ein wenig muskulöser war. Besonders auffällig ist die Ähnlichkeit der Frisur, die man Flynn im Film verpaßt hat und die recht ungewöhnlich bei ihm wirkt.

Thomas & al. (S. 116) haben einige weitere Gemeinsamkeiten zwischen Flynn und Corbett herausgearbeitet: beide waren irischer Abstammung, wurden von Schulen verwiesen wegen kindischer Scherze, heirateten eine Schauspielerin und wurden später geschieden, und sie waren über 1,85m groß. Ich denke, es gibt auch noch weitere Gemeinsamkeiten: Die Frechheit, mit der Jim Corbett oft vorgeht, muß der von Flynns Persönlichkeit sehr nahegekommen sein. Er schlaucht sich zu Beginn des Films überall durch, leiht sich z.B. von seinem Vater Geld, weil er Pleite ist… solche Geschichten hörte man auch vom jungen Errol. Doch es gibt auch positive Eigenschaften: Jim Corbett steht zu seinem Freund, als dieser wegen unangemessenen Betragens den Ball verlassen soll…

Der echte Corbett wurde 1866 in San Francisco geboren. Er war der erste Schwergewichtschampion unter den neuen Marquis of Queensberry-Regeln. Der große Kampf gegen John L. Sullivan fand 1892 statt, als Corbett also 26 war, ein wenig jünger als Flynn bei den Dreharbeiten. Der Film endet nach diesem Kampf, während der echte Corbett den Titel fünf Jahre später wieder verlor und nicht in der Lage war, ihn je zurück zu erobern. Corbett führte die „tanzende“ Fußarbeit in den Boxsport als Verteidigungstaktik ein, die man im Film ausführlich bewundern kann. Flynn war auf die Rolle gut vorbereitet und wurde nur selten, wenn überhaupt, gedoubelt. Um Corbetts Stil so nah wie möglich zu kommen, arbeitete Flynn mit Ed Cochrane, einem Sportjournalisten und Corbettexperten, und Mushy Callahan, einem Weltergewichtschampion.

Daneben wurden aber auch Szenen in den Film hineingeschrieben, die nichts mit dem wahren James Corbett zu tun hatten, so zum Beispiel Victoria Ware als zu erobernde Lady und die herrlich witzigen Familienszenen der Corbetts, die in der deutschen Version leider der Schere zum Opfer fielen. Die Synchronversion ist wieder einmal sehr viel kürzer als das Original.

Inhalt:

Der Film beginnt mit einem illegalen Boxkampf in San Francisco. James E. Corbett (Flynn) und sein Freund Walter (Jack Carson) besuchen diesen Kampf und entdecken dabei auch die Direktoren der Bank, für die sie arbeiten. Mitten im Kampf taucht jedoch die Polizei auf, und die beiden Freunde und die Direktoren werden mit anderen zusammen arretiert. Im Gefängnis verkündet Richter Geary (Wallis Clark), daß der sogenannte Olympic Club dem Boxsport ein besseres Image verpassen will, indem sie Gentlemen zu Boxern ausbilden.

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Am nächsten Tag ist Jim besorgt, daß er wegen seiner Teilnahme an einem illegalen Boxkampf entlassen wird, und schreibt schon einmal vorsichtshalber seine Kündigung. Doch als Judge Geary dem Bankdirektor erzählt, daß er nur durch Corbett einer Gefängnisstrafe entkommen ist (die Hälfte dieser Erklärung fehlt in der deutschen Version!), bekommt der junge Mann statt der Entlassung sogar eine Gehaltserhöhung.

Kurz darauf begleitet er Miss Victoria (Vicki) Ware (Alexis Smith) in den Olympic Club, wo deren Vater beim Pokerspiel Geld braucht. Jim nutzt ganz frech die Gelegenheit und läßt sich von Vicki den Club zeigen. Dabei gelingt es ihm, eine kleine Trainingseinheit mit dem Trainer des Prinzen von Wales zu machen. Judge Geary, der eigentlich selber trainieren wollte, erkennt das Talent des jungen Mannes und bittet Vicki, Corbett zu sponsern. Sie stimmt zu, denn sie weiß nicht, wie sie den aufdringlichen, frechen Kerl anders loswerden soll…

Nun folgt im amerikanischen Original eine Familienszene, die in der deutschen Version fehlt. Beim Abendessen wird Jim von seinen Brüdern wegen seiner Ambitionen, gesellschaftlich aufzusteigen, so lange geneckt, bis die ganze Familie in die Scheune geht, wo die Konflikte mit Fäusten gelöst werden… und die ganze Nachbarschaft kommt zum Zusehen.

Die Mitglieder des Olympic Club bereuen bald die Aufnahme von Jim Corbett, da dieser keine Gelegenheit ausläßt, auf sich aufmerksam zu machen. Da kommt ihnen ein Schwergewichtschampion gerade recht. Sie bezahlen ihn, damit er gegen Jim kämpft, in der festen Annahme, daß Jim verliert. Doch das Gegenteil ist der Fall. Jim schlägt seinen Gegner schon in der 2. Runde k.o. und natürlich sind die, die vorher gegen ihn waren, jetzt stolz auf ihn.

Auf dem anschließenden Empfang benimmt sich Jims Freund Walter aufgrund des genossenen Alkohols ein wenig daneben und wird aufgefordert, die Veranstaltung zu verlassen. Der offizielle Grund ist, daß er sich nicht an die Kleiderordnung gehalten hätte. Jim erträgt eine solche Behandlung seines Freundes nicht und geht mit ihm.

Am nächsten Morgen wachen die beiden mit einem gehörigen Kater in einem fremden Zimmer auf. Sie stellen fest, daß sie in Salt Lake City gelandet sind und Jim unterwegs mit einem Mann namens Billy Delaney (William Frawley) einen Vertrag abgeschlossen hat, für 10 Dollar gegen einen lokalen Champion zu boxen. Der Kampf verläuft anfangs nicht sehr gut, Jim liegt schon am Boden und wird ausgezählt, als er sich aufrafft und den Gegner k.o. schlägt. Von da an beginnt seine Karriere als professioneller Boxer.

An dieser Stelle wird John L. Sullivan, der damals berühmteste Boxer, eingeführt. Auf einem Empfang trifft ihn Jims Vater, der ganz stolz darauf ist, John die Hand zu schütteln und damit zu Hause vor seinen Kindern prahlt. Er ist so stolz darauf, daß er die Hand nie mehr waschen will. Auch Vicki Ware hat eine Begegnung mit Sullivan und umfaßt stolz seinen Bizeps. Corbett, der sie zuvor gerade zufällig wieder getroffen hat, macht sich darüber lustig. Sein nächster Kampf wird ihn auf Joe Choynski (Sammy Stein) treffen lassen.

Die Wetten stehen nicht gut, denn Choynski ist ein sehr harter Brocken – der dennoch von Jim in einem harten Kampf besiegt wird. Nachdem Jim von Choynski ins Wasser geboxt wurde und vollkommen durchnäßt wieder in den Ring kommt, braucht er nur ein paar gezielte Schläge, um Choynski k.o. zu schlagen. Die Kampfszenen wurden übrigens in den Kulissen der Schiffe aus „Der Herr der Sieben Meere“ gedreht. Sie wurde in der deutschen Version wieder gekürzt, am Ende fehlen einige Szenen, in denen die Polizei kommt und die Männer ins Wasser springen.

Ebenso fehlt in der deutschen Version eine weitere Familienszene. Jim kehrt nach dem Kampf nach Hause zurück, wo er glücklich von seiner Mutter in die Arme geschlossen wird. Schließlich endet jedoch alles wieder in einem handfesten Familienkampf in der Scheune, als Jim bemerkt, daß sein Bruder sich die von Jim geliehene Krawatte hat stehlen lassen…

Es folgt die Andeutung weiterer siegreicher Kämpfe, die Jim zu bestehen hat. Auch macht Jim seinen Traum wahr und steht auf der Theaterbühne – eine Szene, die ebenfalls in der deutschen Version fehlt, genau wie der Umzug der Familie Corbett aus dem alten Haus in ein besseres Wohnviertel. Daß Jim seinen Brüdern einen Saloon schenkt, ist wieder enthalten. Irgendwann steht niemand mehr im Wege auf dem Weg zur absoluten Spitze – außer John L. Sullivan. Um diesen zu einem Kampf zu überreden, greift Jim zu einem Trick: er provoziert Sullivan so lange, bis der darauf brennt, gegen Jim anzutreten. Das einzige Problem: Sullivan verlangt eine hohe Kaution als Garantie, daß Jim überhaupt antritt. Doch wie diese auftreiben?

Als Rettung erweist sich Vicki. Zwar hat sie sich noch kurz zuvor mit Jim wegen dessen Frechheit gestritten – ist er doch unverschämt genug, sie zum Ausgehen einzuladen! – aber dann erfährt sie über ihren Vater von der verlangten Kaution. Sie stellt Jims Manager diese, allerdings unter der Bedingung, daß Jim nichts davon erfährt. So kommt es zu der legendären Begegnung zwischen John L. Sullivan und Jim Corbett.

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Am Vortag trifft John L. Sullivan mit großem Getöse in New Orleans ein, während Jim es ruhig angehen läßt. In seinem Hotelzimmer wird er von seiner Familie überrascht – wieder eine Szene, die der deutschen Schere zum Opfer fiel, dabei ist diese ganz besonders witzig, denn die Familie – inclusive Flynn – legt einen kleinen irischen Tanz auf Parkett!

Endlich ist der große Tag da. Beide Kämpfer weigern sich, als erster in den Ring zu gehen – aus Aberglauben. Die Szene ist wieder deutlich kürzer in der synchronisierten Fassung, dort erwähnt es nur ein Zuschauer – im Original wird Jims direkte Reaktion auf Sullivans Forderung gezeigt. Am Ring schlägt Jim schließlich vor, gleichzeitig hinein zu gehen, doch er trickst Sullivan aus und macht im letzten Augenblick einen Rückzieher, wodurch er Sullivan natürlich in Rage bringt.

Der Kampf geht letztendlich über 21 Runden. In der 21. Runde schlägt Corbett Sullivan k.o., und da jubelt sogar Vicki – für Corbett. Nach dem Kampf gibt es einen eleganten Empfang für den Sieger. Nachdem Vicki Jim einen überdimensionierten Hut für seinen geschwollenen Kopf geschenkt hat, taucht plötzlich John L. Sullivan auf. Er überreicht Jim eine Art Medaille, die er einst als Champion bekommen hatte. Jim ist gerührt über diese große Geste, und er versucht John L. mit den Worten zu trösten, daß er selbst als kleiner Junge ihn im Ring bewundert hat und froh war, daß er heute nicht dem John L. von damals gegenüber stand.

Während Jim im Garten in Ruhe über alles nachdenkt, kommt Vicki zu ihm. Endlich hat sie ihren Stolz überwunden. Die deutsche Version endet hier, im Original gibt es noch eine Szene im Ballsaal, in der sich die Corbetts wieder einmal prügeln…

Quellen: http://www.nomas-nyc.com/scorecard/2006/09/gentleman-jim-and-the-brockton-blockbuster.html

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Das Schicksal der Irene Forsyte

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Dieser Film wird selten im Fernsehen gezeigt, wenn, dann eher im Nachmittags- als im Nachtprogramm. Schade, denn es ist ein wunderbar nostalgischer Film – in Farbe und mit wunderbaren Kostümen und viktorianischer Dekoration.

Der Film war der erste, den Errol Flynn auf „Leihbasis“ außerhalb von Warner Brothers bei MGM drehte. Entsprechend diszipliniert soll er sich bei den Dreharbeiten aufgeführt haben. Er freute sich sehr darauf, mit Greer Garson zu arbeiten, und die beiden verstanden sich prächtig.

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seltener Schnappschuß während einer Drehpause – ob Errol Greer von seinen Reisen berichtet?

Errol durfte seine Rolle sogar wählen. Ursprünglich sollte er den letztendlich von Robert Young verkörperten liebeskranken Philip Bosinney oder Jolyon Forsyte junior spielen, was seinem bisherigen Rollenprofil des romantischen Helden am ehesten entsprochen hätte. Doch Errol entschied sich letztlich für Soames Forsyte, den steifen, besitzergreifenden Mann, der Wert auf Eigentum in jeder Form legt. Eine gute Wahl, er macht seine Sache großartig. Später sagte er, daß diese Rolle eine seiner liebsten gewesen sei. Vor allem gelang es ihm damit, seinen Rollenclichés zu entkommen und zu zeigen, wozu er schauspielerisch in der Lage war. Sein Soames Forsyte ist kühl und zurückhaltend, und dennoch spürt man, daß unter der Fassade ein Vulkan brodelt – der jedoch vom Standesdünkel und der Erziehung zurückgehalten wird. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Soames Forsyte ist nicht in der Lage zu lieben, und will gleichzeitig geliebt werden.

 

Der Film basiert auf Band I der „Forsyte-Sage“ von John Galsworthy, in der Soames Forsyte innerhalb der Familie eine Art zentrale Figur bildet. Der Film weicht in der Handlung zum Teil erheblich von der Vorlage ab. In der deutschen Synchronversion werden sogar die Namen geändert: June wird zu Julia, Irene Heron wird zu Irene Heronford.

Die Handlung beginnt fast mit dem Ende der Geschichte: in einer nebligen Londoner Nacht ruft die Stimme von Soames Forsyte nach seiner Irene. Wir sehen Irene, wie sie auf der Suche nach ihrem toten Geliebten Philip Bosinney ein Leichenschauhaus betritt. Aus Mitleid läßt sie der Portier Abschied nehmen von ihm, während inzwischen Soames und Jolyon Forsyte jun. (Walter Pidgeon) eintreten und auf Irene warten. Soames will, daß seine Frau zu ihm zurückkehrt, doch diese wehrt sich dagegen und wird statt dessen von Jolyon aufgenommen. Nachdem dieser Irene in seiner Wohnung zur Ruhe gebettet hat, beginnt ein Rückblick über die Ereignisse:

Bei der Geburtstagsfeier von Jolyon Forsyte sen. trifft sich die gesamte Forsytesippe, mit Ausnahme von Jolyon jun., der von seiner Familie schon vor Jahren verstoßen worden war, weil er mit einem Kindermädchen durchgebrannt war. Drei herrlich schrullige alte Damen tauschen den neuesten Familientratsch aus. Ein Thema ist Soames Forsytes, der sich wohl mit einer Mitgiftjägerin eingelassen hat. Auf die Frage, durch wen Soames „diese Frau“ kennengelernt hat, outet sich June (Janet Leigh), die Tochter von Jolyon jun., als Vermittlerin der Bekanntschaft. Da nichts weiter zu erfahren ist, wendet man sich direkt an Soames, der in diesem Moment den Saal betritt.

Errol bekommt einen eindrucksvollen Auftritt, den er vollkommen ausfüllt. Eine Ankündigung „Hier ist Soames!“, und die Kamera schwenkt auf ihn. Wie in seinen besten Zeiten – all eyes on him! Er erklärt der versammelten Gemeinde, daß es sich bei Irene Heronford nicht um eine Mitgiftjägerin handelt. Im Gegenteil – sie hat, obwohl eine eher mittellose Tochter eines Archäologieprofessors, all seine bisherigen Heiratsanträge abgelehnt.

Soames gibt jedoch nicht auf und bemüht sich weiter um Irene. Er besucht sie in der Pension, in der sie wohnt und Klavierunterricht gibt, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Die Vermieterin kennt ihn schon und freut sich sichtlich über sein Erscheinen. Man bekommt den Eindruck, daß sie Soames am liebsten selbst heiraten würde, wenn sie etwas jünger wäre.

Soames führt Irene in eine Galerie aus. Im Film erscheint das nur nebensächlich, doch im Buch nimmt die Malerei eine große Rolle für Soames ein. Er sammelt Gemälde und legt großen Sachverstand an den Tag, wenn er Gemälde von noch unbekannten Künstlern günstig kauft und wartet, daß deren Preise steigen.

Auch hier will Soames ein Gemälde kaufen, weil es Irene gefällt, und entfernt sich für einen Moment. Währenddessen betrachtet Irene ein Bild des noch unbekannten Jolyon Forsyte jun. Der Künstler ist auch in der Galerie und sieht ihr Spiegelbild in seinem Bild „Die Mühle am Weiher“. Laut voice-over Kommentar hat sich Jolyon an dieser Stelle in Irene verliebt – im Buch ist davon nicht die Rede.

Soames kehrt zurück – er hat das Gemälde erfolgreich erworben. Das ist so ziemlich die einzige Stelle im Film, in der Errol sein berühmtes Lächeln zeigt – ansonsten blickt er eher düster drein. Wenn er bei früheren Filmen dieses Lächeln selbst in ernsten Filmen ganz zurückhalten konnte – hier gelingt es ihm, er scheint vollkommen in seiner Rolle aufzugehen. Soames trifft nun auch auf Jolyon, der sich mit Irene unterhalten hat. Die Begegnung fällt allerdings kühl aus.

Am nächsten Tag sucht Jolyon Soames in dessen Anwaltskanzlei auf. Er will Näheres in Erfahrung bringen über Irene, um ihr das Bild, das ihr so gefallen hat, zuzuschicken. Doch er erfährt schnell von Soames, daß dieser beabsichtigt, Irene zu heiraten. Jolyon überläßt Soames daraufhin das Bild als Hochzeitsgeschenk, doch nachdem Jolyon sich verabschiedet hat, zerreißt Soames das Aquarell.

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„Was soll ich damit?“

 

Soames läßt nicht locker bei seiner Werbung um Irene und führt sie aus ins Theater. Anschließend begleitet er sie nach Hause uns bittet erneut um ihre Hand. Sie gibt offen zu, ihn nicht zu lieben, doch Soames meint, bis die Liebe in ihr erwacht, würde seine Liebe für beide reichen. Er verspricht, sie freizugeben, wenn sie unglücklich wäre. Irene ist immer noch unentschlossen. Erst, als Frau Richard, die Vermieterin von Irene, einige Anspielungen wegen fehlender Schüler und ausbleibender Mietzahlungen macht, wissen wir, daß sie über kurz oder lang den Antrag annehmen wird.

Soames kauft ein Haus für beide und gibt Anweisungen zu dessen Renovierung. Er läßt ein Musikzimmer für seine Frau einrichten und braucht Platz für seine Gemälde. Der voice-over Kommentar erklärt uns daraufhin, daß Soames seine Freu zwei Jahre lang überall zeigte. Er hatte das Gefühl, daß „niemand sonst so viel für sein Geld zeigen konnte.“

June, Jolyon juniors Tochter, wird zu Irenes enger Freundin. Sie besucht Irene eines Morgens. Bei einem gemeinsamen Ausflug stellt ihr June Philip Bosinney vor, einen noch unbekannten Architekten, in den sich June verliebt hat.

June bittet Irene um Hilfe, daß Philip von der Familie akzeptiert wird. Sie stimmt zu. Auf der Familienfeier gesteht ihr jedoch Philip seine Liebe. Irene verhält sich zunächst abweisend.

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June schlägt Soames vor, daß er sich von Philip ein Landhaus bauen läßt. Weil dies eine gute Geldanlage wäre, stimmt Soames zu. Philip demonstriert auf der Besichtigung der zukünftigen Baustelle unverhohlen seine Bewunderung von Irene, doch niemand nimmt in diesem Moment davon Notiz, weder June noch Soames.

Soames und Irene leben mehr oder weniger nebeneinander her. Es gibt mehrere Szenen ihrer Ehe, in denen klar wird, daß Soames Irene zwar liebt, auf seine eigene Weise, aber es ihr nicht zeigen kann. An ihrem Hochzeitstag wirft er ihr vor, den Anlaß vergessen zu haben – nur, um kurz darauf Irenes Geschenk unter seiner Serviette beim Diner zu finden. Er wünscht sich, Irene wäre nicht so kalt – ohne zu erkennen, daß er selbst es ist, der kalt ist.

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Schließlich kommt es zur unvermeidlichen Katastrophe. June begibt sich in Philips Atelier und stößt dort zufällig auf eine Porträtzeichnung von Irene, versehen mit eindeutigen poetischen Worten. Sie ist wie vor den Kopf geschlagen. Sie flüchtet aus der Wohnung und sieht versteckt, wie Irene diese betritt. In ihrer Not schreibt sie einen Brief an Soames und denunziert Irene quasi; sie selbst weiß sich nicht anders zu helfen, als zu ihrem Vater zu gehen, den sie seit Jahren nicht gesehen hat.

Als Soames den Brief erhält, zeigt sich keine Reaktion in seinem zur Maske erstarrten Gesicht. Eine starke schauspielerische Leistung von Errol. Man spürt den Vulkan, der in ihm brodelt, den er aber nicht zum Ausbruch bringen läßt. Er geht wortlos durch die Wohnung, zieht eine Uhr auf dem Kaminsims auf. [Kleiner Filmfehler an dieser Stelle: Nach dem Aufziehen lehnt sich Soames an den Kamin, wobei eine Nippesfigur herunterfällt. In der Zeitlupe kann man erkennen, daß sie schon vor dem Anlehnen herunterfällt… Jemand muß sie von hinter den Kulissen gestoßen haben…].

Schließlich kommt Irene zurück, die ja bei Philip war. Soames erklärt ihr, daß er weiß, wo sie war und verbietet ihr den weiteren Umgang. Er droht damit, Philip zu ruinieren und schlägt seine Frau.

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„Wo ist sie?“

 

Soames läßt Philip zu sich kommen, scheinbar, um über dessen verschwenderischen Umgang mit seinem Geld beim Hausbau zu reden. Doch letztendlich läßt er die Katze aus dem Sack. Er konfrontiert Philip mit seinem Wissen und läßt nach seiner Frau schicken. Diese hat jedoch inzwischen das Haus verlassen. Als Philip das hört, verläßt er eilig das Haus und wird in der nebligen Nacht von einer Kutsche überrollt.

Hier schließt sich der Kreis und wir sind wieder am Anfang des Films. Irene kehrt nicht zu Soames zurück.

Mehrere Jahre später sehen wir Soames im Pariser Louvre. Er betrachtet ein Bild, das das Spiegelbild seiner Frau in einem anderen Bild zeigt – „Die Mühle am Weiher“, gemalt nach Jolyons erster Begegnung mit Irene in der Galerie. Er will es kaufen, erfährt aber, daß es nicht verkäuflich ist. Zufällig ist Irene auch in der Galerie. Die beiden unterhalten sich kurz. Irene ist jetzt mit Jolyon, der ein gefeierter Künstler geworden ist, verheiratet. Auch June will sich verheiraten. Die beiden gehen auseinander und Irene bittet den Galeristen, Soames das Bild zu schicken.

Im Buch geht die Scheidung nicht so schnell vonstatten – erst nach mehr als zwanzig Jahren stimmt Soames zu, und nur deswegen, weil er selbst eine jüngere Frau heiraten will, um einen Sohn zur Fortführung seiner Dynastie zu zeugen.

 

Trivia:

Errol Flynn freute sich sehr darauf, mit Greer Garson arbeiten zu können, und auch ihr machte die Arbeit mit ihm Spaß. Im Vorwort zu „The Films of Errol Flynn“ beschreibt sie ihr erstes Treffen bei den Dreharbeiten mit ihm. Die Pressefotografen warteten gierig auf den ersten Skandal zwischen, wie sie sagt, der „netten Dame von MGM“ und dem „bösen Buben“ von Warner Brothers, doch nichts dergleichen geschah. Im Gegenteil, die beiden verstanden sich auf Anhieb prächtig. Auch sagt sie, daß sie ihn als „objektiver und bescheidener“ empfand als viele andere Schauspieler.

Häufig wird der Streich erzählt, den Errol Greer gespielt hat: als sie den Kleiderschrank öffnet, steht er plötzlich halb nackt darin. Sie bekommt einen riesigen Schreck und wird fast ohnmächtig.

Doch Greer revanchierte sich: in einer Szene, in der Soames und Irene in einer Kutsche sitzen, hatte sie einen elektrischen Draht am Türknopf anbringen lassen. Als Soames die Tür öffnen wollte…

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Fluch des Wahnsinns

cry6.jpg„Fluch des Wahnsinns“ ist einer der untypischsten Flynn-Filme, ein Thriller, bei dem man bis zuletzt nicht ganz sicher ist, ob Errol nun zu den Guten der zu den Bösen gehört. Regie führt Peter Godfrey, die Musik stammt von Franz Waxman. Der Film liegt in einer guten deutschen Synchronfassung mit Sigmar Solbach vor und wird eher selten im Fernsehen gezeigt (seit Flynns 100. Geburtstag 2009 eigentlich nicht mehr).

Thomas et al. kritisieren vor allem, daß der Handlungsverlauf nicht ganz funktioniert und daß die düstere Stimmung zu konstruiert wirkt. Flynn unterspiele „in einer passend finsteren, spießigen und anscheinend sadistischen Art und Weise, aber in manchen Szenen ist er zu hölzern.“ (S. 147) Errol sieht im Allgemeinen gut aus, doch bei den Nahaufnahmen und bei bestimmter Beleuchtung sieht man, daß sich 1947 sein Lebenswandel schon in seinem Gesicht zeigt.

Die Kritiken waren laut McNulty „einigermaßen vernünftig“ (S. 211), doch der Erfolg an den Kinokassen war nur mäßig. Dazu trug wahrscheinlich auch die Werbung von Warners bei, die mit Flynns Image als Womaniser spielte, was in diesem Film natürlich überhaupt nicht von Bedeutung ist. Wenn man den Film jedoch noch nie gesehen hat und auch ansonsten wenig Erfahrung mit den typischen Thriller-Klischees hat, ist der Film durchaus spannend. Das Schlimme an der heutigen Zeit ist, daß man „alles schon einmal gesehen hat“, und für den, der oft solche Filme schaut, wiederholen sich wahrscheinlich bestimmte Motive. Die düstere Atmosphäre wirkt aber für mich durchaus gelungen; der Einsatz des Lichtes in den Szenen in dem dunklen Haus und die Vertonung mit den hallenden Schritten tun ihr Übriges. Wenn man also unvoreingenommen herangeht, gibt es durchaus einige Überraschungen im Handlungsverlauf. Wer den Film also nicht kennt, sollte das Ende der folgenden Inhaltsangabe nicht lesen.

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Inhalt:

Der Film beginnt in düsterer Atmosphäre. Eine junge Frau namens Sandra Marshall, verheiratet Demarest (Barbara Stanwyck), kommt auf das Anwesen von Mark Caldwell (Flynn). Es stellt sich heraus, daß sie die Witwe des vor kurzem verstorbenen James „Jim“ Demarest (Richard Basehart) ist, des Neffen von Mark. Sie erklärt dem ungläubigen Mark, daß sie Jim heimlich auf dessen Wunsch hin geheiratet hat. Sie bekam dafür $2000 zur Beendigung ihres Studiums und die Zusage, daß sich beide nach 6 Monaten wieder scheiden lassen würden. Es war nur eine Zweckehe. Jim und seine Schwester stehen nämlich bis zu ihrem 30. Lebensjahr unter der Vormundschaft ihres Onkels Mark, der ihr Vermögen verwaltet. Nur bei Heirat würde diese Vollmacht an die Ehefrau übergehen, was Jim erreichen wollte. Auf Marks Frage, was denn die Witwe nun wolle, zeigt sie ihm ein Testament, dessen Ansprüche sie geltend machen will. Der erste Eindruck, den man nach dieser Szene von den Figuren hat: ein düsterer, undurchschaubarer Onkel und eine scheinbar berechnende Witwe. Wer spielt hier mit gezinkten Karten?

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Sandra bittet darum, von Jim an dessen Sarg Abschied nehmen zu können, was ihr Mark widerstrebend gewährt. Er ruft inzwischen nach seinem Bruder, Senator Charles Caldwell (Jerome Cowan). Sie streiten sich: Charles will bei irgend etwas nicht mehr mitmachen und abreisen, aber Mark versucht, ihn davon abzuhalten.

Sandra bekommt ein Zimmer zur Übernachtung und speist mit Mark und seiner Nichte Julie (Geraldine Brooks), der Schwester von Jim, zu Abend. Julie ist begeistert von der Schwägerin, von der sie nichts wußte. Sie freut sich über Gesellschaft in diesem, wie sie sagt, „Mausoleum“. Sie bricht einen Streit mit ihrem Onkel vom Zaun, weil der ihre Post geöffnet hat.

Später kommt Julie zu Sandra in deren Zimmer und beschuldigt Mark, daß er mit Jims Geld nur seine Studien in seinem Laboratorium finanziert. Sie ist unglücklich, weil sie sich ständig beobachtet und ungeliebt fühlt. Sie bittet Sandra zu bleiben und ihr Gesellschaft zu leisten. Dann erfährt Sandra, wie Jim gestorben ist: an einer Lungenentzündung, nachdem er aus dem Urlaub in Kanada wiedergekehrt ist. Julie hat ihn jedoch nicht mehr gesehen nach seiner Rückkehr.

Nachdem am nächsten Tag alle von der Beerdigung zurückgekehrt sind, beschließen Sandra und Julie, einen Ausritt zu unternehmen. Bis das Schließfach von Jim, in dem sich wahrscheinlich das Originaltestament befindet, gefunden ist, will Sandra auf dem Anwesen bleiben.

In der Nacht wird Sandra von Julie geweckt, die sie vollkommen verstört aufsucht. Sie hat Schreie gehört, wie schon in der Nacht zuvor, und meint, es sei die Stimme von Jim. Zunächst will ihr Sandra nicht glauben, doch dann hört auch sie es. Beide wollen zum abgeschlossenen Laboratorium von Mark gehen, doch als sich hinter der Tür etwas regt, flüchten sie panisch zurück ins Bett. Sie tun so, als ob sie schlafen. Mark schaut kurz in Julies Zimmer. Sandra verspricht Julie, so lange zu bleiben, bis sie herausgefunden hat, was hier vorgeht.

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Als Julie Mark am nächsten Morgen mit den Schreien konfrontiert, behauptet dieser, daß es sich nur um Einbildung ihrerseits handelt. Sie habe schon immer eine blühende Fantasie gehabt. Bei einer anschließenden Untersuchung von Jims Zimmer erfahren wir mehr über die Familie: Julies Mutter starb, als Julie gerade einmal vier Jahre alt war. Zuvor hatte man Julies Vater in eine Klinik gebracht, wo er starb. Sie weiß nicht, woran. Bald stellen Julie und Sandra fest, daß viele von Jims Sachen und seine Pfeifen fehlen. Julie bekommt daraufhin Angst und Sandra kann sie nur mit Mühe beruhigen. Beide werden unterbrochen: Mark will Sandra sprechen.

Er warnt sie, Julie nicht weiter zu beunruhigen, indem sie dauernd von Jim spricht. Doch Sandra will tun, was sie für richtig hält. Die beiden unterhalten sich über erste Eindrücke voneinander, und Mark küßt Sandra – wie er sagt, um seinen ersten Eindruck von ihr zu bestätigen – wofür er sich eine Ohrfeige einfängt.

Sandra erfährt anschließend von der neuen Hausangestellten Angela mehr über Marks Gewohnheiten und faßt einen Plan, wie sie in sein Laboratorium gelangen kann. Nachts um drei Uhr verschafft sie sich über den Speiseaufzug Zutritt, begeht aber dabei mehrere Fehler: zum einen nimmt sie das Tablett mit dem Imbiß für Mark heraus, verliert ihren Kamm im Aufzug und stößt an einen Behälter mit Trinkwasser. Dadurch merkt Mark, daß jemand im Laboratorium war, aber er läßt Sandra noch unbehelligt zurückkehren in ihr Bett.

Eine halbe Stunde später wird Sandra von einem Schrei geweckt. Sie sieht vom Fenster aus Mark durch den Garten laufen. Kurze Zeit später erfährt sie, daß Julie aus dem Fenster gestürzt und dabei ums Leben gekommen ist. Als sie die Leiche betrachtet, sieht sie ihre eigene Cremedose, die aus Julies Tasche gefallen ist. Sie wirft Mark vor, daß Julie umgebracht wurde und jemand es wie einen Unfall aussehen lassen wollte.

Sandra kann nicht von dem Labor lassen und dringt erneut dort ein, diesmal über das Dachfenster. Doch Mark ist auch dort und stellt sie zur Rede. Sie streiten sich, wobei Mark auch durchblicken läßt, daß er von Sandras erstem Besuch weiß. Sandra ist überzeugt, daß Jim noch am Leben ist, was Mark abstreitet.

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Nach der Beerdigung von Julie läßt Mark das Haus schließen, er will nach Washington gehen. Er entschuldigt sich bei Sandra: das Schließfach von Jim wurde ausfindig gemacht, das Testament war enthalten. Sandra hatte also recht und war nicht, wie Mark annahm, eine Betrügerin. Er versucht, sich ihr anzunähern, doch Sandra bleibt zunächst distanziert.

Sandra will noch einen letzten Ausritt unternehmen. Dabei gelangt sie zu den Drei Hügeln und macht dort eine unglaubliche Entdeckung: Jim ist tatsächlich noch am Leben. Er wird von einem Ehepaar namens Laidell versorgt, nachdem er laut eigener Aussage vor einiger Zeit einen Unfall hatte. Sandra erzählt Jim, daß Julie tot ist und daß Mark daran schuld ist, weil er das Geld der beiden will. Sie verabreden daraufhin, daß Jim in der Nacht fliehen und mit Sandra fortgehen wird.

Doch dann kommt alles ganz anders, und Sandra erfährt schließlich von Mark die Wahrheit über Jim: dessen Vater starb in geistiger Umnachtung, und auch Jim und Julie haben diese Veranlagung geerbt. Jim hatte im Urlaub in Kanada bereits einen Mann getötet. Nur durch den Einfluß von Mark und seinem Bruder kam er um eine Gefängnisstrafe herum. Das Urteil lautete dafür: lebenslange Verwahrung. Nur dadurch konnte Mark auch Schaden von seinem Bruder abwenden, der als Politiker ruiniert gewesen wäre, wenn das Familiengeheimnis an die Öffentlichkeit gedrungen wäre.

Am Ende kommt es zu einem dramatischen Showdown, in dem Jim Mark niederschlägt und in einem Handgemenge mit Laidell ums Leben kommt.

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