Rocky Mountain

$_57

Rocky Mountain ist Errol Flynns letzter Western. Der deutsche Titel „Herr der rauhen Berge“ ist wieder einmal leicht irreführend, schließt sich aber der Reihe der Filmtitel an, in denen Flynn immer „Herr“ von irgend etwas ist. Doch leider ist er hier nicht einmal Herr der Lage, denn am Ende stirbt er – etwas, das mich am meisten an diesem Film stört, denn zu Beginn erzählt Flynn noch aus dem Off, was er und seine Männer denn dort in Kalifornien suchten. Da erwartet doch jeder Zuschauer, daß der Erzähler am Ende des Films noch am Leben ist… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Filmographie | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Mara Maru

717-616

Der Film liegt zwar in einer deutschen Fassung vor, wird aber so gut wie nie im Fernsehen gezeigt, nicht einmal im Nacht-, geschweige denn im Nachmittagsprogramm… Bedauerlich, denn es ist ein solider Abenteuerfilm. Am 24. April 1952 kam „Mara Maru“ in die US-amerikanischen Kinos, und bereits am 24. Juni, also nur zwei Monate später, in die deutschen. Warners nutzte wohl die Errol Flynn-Welle, die zu Beginn der 1950er Jahre in Deutschland herrschte. In den Werbematerialien für Kinobesitzer steht, daß allein der Name Errol Flynn als Besuchermagnet wirkt. Was wahrscheinlich auch der Fall war. Es war der letzte Film, den Flynn für Warners in den USA drehte, bevor er in sein selbst gewähltes Exil nach Europa ging. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Filmographie | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Mallorca

Maj1

Mallorca erlangte mit dem Beginn der 1950er Jahre internationale Bekanntheit. Viele Prominente stiegen dort ab, um Urlaub zu machen, u.a. auch Charlie Chaplin und eben Errol Flynn, der den größten Eindruck bei den Mallorcinern hinterließ.

Flynn entdeckte Mallorca auf seiner Hochzeitsreise mit Patrice Wymore im Jahre 1950. Auf ihrem Weg nach Gibraltar wurden sie von einem Sturm überrascht und suchten Zuflucht im Hafen von Pollença. Während ihres Aufenthaltes besichtigten sie den Norden der Insel und kamen schließlich nach Palma. Errol gefielen die Insel und die Gastfreundlichkeit der Bewohner. Er versprach, wiederzukommen, und tat das im Mai 1955.  Zu der Zeit war sein Stern in Hollywood schon sehr tief gesunken. Er war mehr oder weniger pleite durch den Zusammenbruch der Produktion von „Wilhelm Tell“ und die Einziehung seines Vermögens, und lebte ruhe- und rastlos mit seiner Familie, bestehend aus Ehefrau Patrice und Tochter Arnella, auf der Zaca. Für die Mallorciner war er dennoch der große Star, denn sie hatten während des Spanischen Bürgerkrieges und des 2. Weltkrieges nicht viele Filme sehen können, und viele von Flynns Filmen wurden erst jetzt, in den 1950er Jahren, in Europa in den Kinos gezeigt. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Biographie, Europa | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Lilacs in the Spring

$(KGrHqZHJCYFH4+ZbUp2BR-(FCiyOg~~60_57

Ein neues Glamourpaar? Flynn und Anna Neagle

 

Lilacs in the Spring (in den USA als Let’s Make Up herausgebracht) ist bisher nicht auf Deutsch synchronisiert, vermutlich, weil ein Großteil des Films von Anna Neagle getragen wird, die bei uns eher unbekannt ist. Sie war jedoch zu ihrer Zeit in Großbritannien ein großer Star. So groß, daß damals sogar ein Zeitungsartikel erschien, in dem Errol gebeten wurde, vorsichtig mit dem Star umzugehen und ihn nicht zu verletzen!

$(KGrHqJ,!i4E6HBrQjjzBOqe+rr1Tw~~60_3

Flynn und Anna Neagle am Flughafen

 

Der Film beginnt in Schwarzweiß im London des Jahres 1944. Während eines Luftangriffs wird Carole Beaumont (Anna Neagle), eine Tänzerin und Freiwillige in der Armee, bewußtlos und träumt davon, Nell Gwynn zu sein, die Geliebte von Prinz Charles. Es folgt eine ausführliche Szenerie, in der Anna Neagle die Gelegenheit erhält, eine ihrer bekanntesten Bühnenrollen noch einmal zu spielen. Diese Traumszene wird in Farbe dargestellt, bevor es in der Gegenwart wieder in Schwarzweiß weitergeht: Carole kommt wieder zu sich und erholt sich für einen kurzen Moment, bevor sie wieder das Bewußtsein verliert. Die Rahmenhandlung geht im Grunde genommen darum, ob sich Carole und ihre große Liebe Charles King bekommen werden. Sie wird von verschiedenen Traumszenen und Rückblicken unterbrochen, was die Zusammenfassung nicht sehr einfach macht. Ich konzentriere mich deswegen auf die Szenen mit Errol Flynn.

An dieser Stelle, nach 18 Minuten und 35 Sekunden, erscheint Errol als Caroles Vater John Beaumont zum ersten Mal. Wir sehen, wie sich ein Tor öffnet mit der Aufschrift „Glendale Studios Inc. Hollywood“. Natürlich weiß der Zuschauer damit sofort, wo wir jetzt sind, und wir treffen auf den großen Hollywoodstar John Beaumont, Spitzname „Beau“ (wie jeder weiß, das französische Wort für „schön, gutaussehend“) im Büro seines Chefs. Witzigerweise heißt der Boss Jack – eine absichtliche Reminiszenz an Jack „J.L.“ Warner? Äußerlich sieht er ihm jedenfalls nicht sehr ähnlich.

Errol sieht übrigens gut aus, mit grauen Schläfen, einer Brille in der Hand und in einen eleganten Anzug gekleidet – wie ein großer, reifer Hollywoodstar, den er ja auch darstellen soll, eine Mischung aus sich selbst und seinem Idol John Barrymore.

In seiner Rolle als Beau versucht er, seinen Chef zu überreden, ihn nach London fliegen zu lassen, weil er erfahren hat, daß seine Tochter dort bei einem Bombenangriff verletzt worden ist. Aber der Boss will ihn nicht gehen lassen – filmische Verpflichtungen, zwei Millionen Dollar investiert, und dann wisse man ja noch gar nicht, wie ernst die ganze Sache überhaupt sei… Obwohl Beau wegen des Gedächtnisverlustes seiner Tochter darauf besteht, überzeugt ihn Jack schließlich, daß man erst einmal ein Telegramm schickt um herauszufinden, was denn nun wirklich passiert ist. Beau stimmt schließlich zu und verschwindet für weitere fünfzehn Minuten vom Bildschirm, während derer Anna Neagle als Carole träumt, Queen Victoria zu sein, eine andere Rolle, die sie jahrelang erfolgreich auf der Bühne gespielt hatte.

Wir treffen Errol wieder an einem Pool, wo er mit einem Freund sitzt und sich entspannt. Er trägt ein blaues Hemd, Shorts, eine Brille, und er liest. Ein schöner Anblick, so hätte man ihn wahrscheinlich auch im wirklichen Privatleben angetroffen. Er erhält ein Telegramm von seiner Tochter und erfährt, daß sie jemanden namens Albert heiraten will. Die Szene ist sehr berührend. Sein Satz „Das läßt mich wirklich mein Alter fühlen“, während er darüber nachdenkt, daß seine Tochter jetzt heiraten will – er selbst hatte nie die Chance, eines seiner Kinder verheiratet zu sehen. Vielleicht ist das der Grund, warum mich die Szene so berührt hat. Es fühlt sich bald so an, als ob er in der Szene unbewußt ahnte, daß er nicht alt genug werden würde, um seine Töchter zum Altar zu führen…

Schnitt zu einer Szene in einer Bar, wo die ältere Barbesitzerin, Katie, uns die Geschichte von Beau und Caroles Mutter, Lillian Grey, erzählt. Jetzt beginnt die eigentliche Handlung für Errol. In einem Rückblick erzählt Katie, die 20 Jahre lang Lillian im Theater als Garderobiere betreut hat, die Geschichte:

Wir sehen den jungen Beau im nächtlichen London auf dem Weg ins Theater, wo er die Hauptrolle in einem Theaterstück namens „The Runaway Girl“ spielt. Er tanzt fast durch die Straßen, hält zwischendurch an einem Werbeplakat für seine Show an, das er mit seinem Gehstock vom Straßendreck säubert. Vor dem Theater trifft er auf sein Co-Sternchen Lillian Grey und bittet sie zum Dinner nach der Vorstellung. Dadurch kommt er fast zu spät zu seiner Show, wobei er noch zugibt „Immer spät, aber gerade noch zur rechten Zeit“, bevor er die Bühne betritt und mit seiner Nummer „Lily of Laguna“ beginnt. Errol Flynn singt und tanzt dabei in seiner Rolle als Beau, und gar nicht einmal schlecht. Lillian kommt dazu und sie steppen und tanzen gemeinsam die Nummer zu Ende. Das Lied endet mit ein paar Takten des Hochzeitsmarsches.

09 (2)

Let’s dance!

 

Errols Gesang klingt gut (es gibt das Lied übrigens in einer etwas abgewandelten Version auf CD, ebenso wie ein Duett des Titelliedes „Lilacs in the Spring“ mit seiner dritten Ehefrau Patrice Wymore), und es macht Spaß, ihm beim Tanzen zuzusehen. Man stellt sich unwillkürlich die Frage, welche Rollen Errol hätte spielen können – wenn er sie bekommen hätte!

Nach der Show wartet Beau vor dem Theater auf Lillian. Er wird von mehreren hübschen Damen begrüßt, von denen eine eigentlich schon mit ihm zum Dinner verabredet war – eine Anspielung auf Errols wahres Leben, in dem ihm ja auch die Damen nachliefen… Als Lillian endlich kommt, fordert er sie auf, ihn statt „Mr Beaumont“ einfach „Beau“ zu nennen, wie es alle tun, und sie erfährt, daß er die Show verlassen wird und eine neue im London Hippodrome bekommt. Er nimmt Lillian mit und verspricht ihr, daß er sie zum Star machen wird.

Die neue Show heißt „Hello Tango“, und das nächste Kapitel von Lillian und Beaus Beziehung beginnt mit einer Szene daraus. Ursprünglich tanzten Errol und Anna Neagle auch einen Tango für den Film, doch die Szene wurde – leider – letztendlich wieder herausgeschnitten. – So sehen wir nur eine Szene, in der Lillian tanzt und Beau sie hinter der Bühne beobachtet. Anschließend sehen wir sie beide in der Garderobe und Beau gratuliert Lillian zu ihrem Erfolg. Gleichzeitig äußert er eine gewisse Sorge, daß er vielleicht den Anschluß verliert, während Lillian auf ihrer Karriereleiter nach oben steigt… Er macht ihr schließlich einen Heiratsantrag, den sie annimmt. Ihre Zweisamkeit wird nun jedoch von einem Kollegen gestört, der eine Zeitungsmeldung bringt: steht ein neuer Krieg bevor? Beau meint jedoch: „Wir sind im Jahre 1914, es wird nie einen weiteren Krieg geben.“

$(KGrHqJHJDkFG1!v9g9bBRtR,IHj2Q~~60_12

Szenenbild der Tangoszene, die der Schere zum Opfer fiel

 

Nun, wie wir alle wissen, fand der Erste Weltkrieg statt, so daß uns die nächste Szene mit hinaus aufs Land nimmt, wo Beau für Lillian ein Picknick veranstaltet. Er trägt schon seine Armeeuniform. Als Lillian bemerkt, wie gut er darin aussieht, erwidert er scherzend: „Gut? Es gibt nur zwei Größen – zu groß oder zu klein!“ Sie genießen ihr letztes Rendezvous, bevor Beau in den Krieg ziehen muß, in „eine Ecke eines fremdem Feldes, das für immer England sein wird“. Sie teilen einige intime Momente miteinander, aber Anna Neagle ist nicht Olivia de Havilland oder Alexis Smith, und mir persönlich fehlt die Chemie zwischen den beiden. Auch wenn sich die beiden bei den Dreharbeiten und auch privat wohl großartig verstanden haben sollen, glaube ich, daß Anna nicht unbedingt Errols Frauentyp entsprach. Sie war fünf Jahre älter als er, so würde sie in den Lili-Damita-Bereich passen – in seiner Jugend fühlte sich Errol ja eher von älteren Frauen angezogen. Dennoch habe ich den Eindruck, daß sie ihn während des ganzen Films immer etwas herablassend behandelt. Sie wirkt auf mich etwas hochmütig, so als ob sie indirekt sagen würde, „Ich bin hier in Großbritannien der große Star, Deine Karriere ist im Sinkflug begriffen.“ Aber das ist nur ein persönlicher Eindruck von mir, der ein wenig den offiziellen Berichten widerspricht, daß die beiden sich gut verstanden haben.

Zurück zur Handlung. Beau zieht also in den Krieg und wir sehen ihn in einem Bunker in Frankreich. Er hat gerade eine Nachricht erhalten, daß er nach London zurückkehren dürfe, um eine Ausbildung zum Piloten zu absolvieren. Er ist so glücklich darüber, daß er ein Lied anstimmt, das in der nächsten Szene sehr geschickt von einem Damenballett aufgegriffen wird, womit wir wieder in England bei Lillian sind. Deren Karriere brummt, wir sehen eine weitere Tanznummer von ihr. Beau schleicht sich inzwischen in ihre Garderobe und überrascht sie nach ihrer Nummer. Er erzählt ihr, daß er mehrere Monate in London sein wird und sie verabreden sich zum Abendessen nach der Show.

Wir sehen sie wieder bei Romano’s, wo jeder sehr froh zu sein scheint, daß Beau wieder da ist. Als die Leute Lillian erkennen, applaudieren sie ihr und Beau sagt, daß sie jedes Stück davon verdiene. „Lily of Laguna“, Beaus Musicalnummer, wird gespielt und die beiden tanzen und diskutieren über Lillians künftige Projekte. Im Zeitraffer sehen wir jetzt, daß Lillian sehr gefragt ist und Show auf Show macht, bis zum Jahr 1925. Hier treffen wir Beau in einer Theaterloge, der seinem Nachbarn erzählt, daß er Glück hatte, gleich nach dem Krieg wieder engagiert zu werden und seitdem immer gearbeitet hätte – mehr oder weniger.

Daß es eher weniger war, erfahren wir gleich darauf durch das Geschwätz zweier älterer Damen:

„Was ist mit ihrem Mann passiert?“

„Ach, ich denke, er hat nicht wirklich viel gearbeitet seit dem Krieg.“ Sie erinnern sich nicht einmal an seinen Namen.

Hier beginnt der traurige Teil des Films, den Errol besonders gut spielt, vielleicht, weil es ihn ein wenig an seine eigene Karriere erinnert. Man sieht die Traurigkeit in seinen Augen… Beau verläßt die Loge und geht zur Garderobe seiner Frau. Dort trifft er auf seine kleine Tochter Carole. Sie sitzt vor dem Spiegel und versucht, sich zu schminken – daher stammt wahrscheinlich auch der Titel, unter dem der Film in den USA in die Kinos kam: “Let’s Make Up”. Die Kleine will wie ihre Mutti aussehen, wobei Beau ihr nun hilft – allerdings in etwas übertriebenem Maße. Hier sieht man, wie gut Errol mit Kindern umgehen konnte – das ist keine Schauspielerei, das ist das reinste Vergnügen für Filmvater und Filmtochter. Er zeigt Carole, wie man als Dame vor dem Spiegel sitzt, mit übergeschlagenen Beinen – Errol ist so großartig in solchen Szenen, man fühlt sich an die Szene in „Gegen alle Flaggen“ erinnert, wo er Maureen O’Hara zeigte, wie man ein Schönheitspflästerchen verwendet und sich als echte Lady verhält. Diese Szenen zeigen sein großes schauspielerisches Talent im komödiantischen Bereich, das er leider nie richtig entfalten durfte.

Als Lillian ihre Performance beendet und in die Garderobe kommt, versteckt sich Carole hinter einem Vorhang, um sie zu überraschen. Sie wird unfreiwillig Zeuge eines Streits zwischen Lillian und Beau. Lillian fragt ihn, wieder ziemlich hochmütig, ob er denn heute Arbeit gefunden habe, doch er verneint. Es scheint sie nicht weiter zu kümmern. Er erzählt ihr daraufhin, daß er nach Amerika gehen will, wo sie etwas namens „sprechende Bilder“, also den Tonfilm, erfunden haben. Dazu brauchen sie Leute wie ihn aus dem Theaterbereich, die gelernt haben, sich auszudrücken. Lillian winkt ab – wieder nur eine von Beaus „Ideen“. Mit dieser Bemerkung verletzt sie ihn sehr – schließlich, so bemerkt er, war es eine seiner „Ideen“, daß sie ein Star sein könnte – was sie jetzt ja ist, wogegen er auf der Strecke geblieben ist.

Lillian will jedoch nicht mit ihm gehen und so entscheidet er, da er nichts zu verlieren hat und nicht mehr länger von ihrem Geld leben will, daß er allein nach Amerika geht und seine Frau und Tochter zurückläßt. Nachdem er die Garderobe verlassen hat, kommt Carole hinter ihrem Vorhang vor und weint gemeinsam mit ihrer Mutter…

Jetzt entwickeln sich die Karrieren von Beau und Lillian parallel – ständig aufwärts, und Beau wird ein Hollywoodstar. Die Titel seiner Filme, die im Schnelldurchlauf gezeigt werden, sind sehr interessant: „Devil May Care“, übersetzt in etwa „Er schert sich den Teufel darum“, ein Attribut, das oft für Errol Flynn verwendet wurde, und „Captain Fearless“, eine Anspielung sicherlich auf seine Piratenfilme und sein Image als furchtloser Held.

Wir treffen Beau wieder am Set eines seiner Filme. Er wird von einem Journalisten über seine Exfrau interviewt – in einer sehr aufdringlichen Art und Weise. Beau will nicht wirklich über sein Privatleben reden. Das Interview endet damit, daß Beau den Journalisten niederschlägt – eine Szene, die Errols Verhältnis zur Presse nach dem Vergewaltigungsprozeß widerspiegelt.

Beau ist nun bereit, die Szene zu spielen, aber das Gespräch mit dem Journalisten hat dazu geführt, daß Erinnerungen auf ihn einströmen, die ihn ein wenig verwirren. Er kann sich nicht auf die Szene konzentrieren, sondern ist in Gedanken bei seiner Exfrau. Wieder eine sehr bewegende Szene und ich fragte mich, woran Errol in diesem Moment dachte – vielleicht an seine Exfrau Nora, die er ja laut Berichten wirklich sehr geliebt hatte…

Kurze Zeit darauf kehrt Beau nach London zurück. Im Theater trifft er seine Tochter, jetzt ein Teenager, und sie reden kurz miteinander. Aber es wird klar, daß sie sich auseinandergelebt haben, denn Carole hat die ganze Zeit über bei ihrer Mutter gelebt. Auch hier kann man vielleicht wieder eine Parallele zu Errols Leben ziehen, denn wie oft sah er wohl seine eigenen Kinder? Und wenn er sie wieder einmal traf, waren sie anfangs vielleicht auch ein wenig wie Fremde…Beau und Carole sehen Lillians Performance auf der Bühne. Am Ende läuft Carole, überwältigt von ihren Gefühlen, davon. Lillian und Beau unterhalten sich ein weiteres Mal in der Garderobe. Nach einem relativ kühlen Beginn wird bald klar, daß sie einander noch immer lieben. Lillian stimmt zu, Beau nach Hollywood zu begleiten.

Doch als Beau seine Frau mit großem Bahnhof am Flughafen in L.A. begrüßen will, kommt die Nachricht, daß das Flugzeug, in dem sie saß, abgestürzt ist…

An dieser Stelle endet Katies Erzählung in der Kneipe. Charles King, der Mann, der Carole liebt und den sie eigentlich auch liebt, erwähnt, daß er jetzt nach Burma geht. Wieder eine wunderbare Anspielung: Katie sagt zu ihm, „und grüße Errol Flynn von mir, wenn du ihn in Burma siehst.“ Sie bezieht sich natürlich auf den Film „Der Held von Burma“, der 1945 in Großbritannien sehr schlecht aufgenommen worden war, weil die Verdienste der Briten bei der Befreiung Burmas ziemlich unter den Tisch gekehrt worden waren…

Der Film endet mit einer Abschiedsszene von Carole und Charles – Charles bereitet sich darauf vor, ohne seine große Liebe Carole nach Burma zu gehen. Doch zufällig ist auch Beau am Flughafen, und er fordert seine Tochter auf, mit Charles zu gehen, wenn sie ihn wirklich liebt.

Carole: „Aber ich habe doch gar keinen Schlafanzug dabei!“

Beau: „Was willst du in Burma mit einem Schlafanzug? Es ist viel zu heiß! Ich muß das wissen!“ Und wie er das weiß, der alte Schwerenöter! J

Was mich bei dem Film ein wenig irritiert ist der Altersunterschied in der Geschichte, den die Schauspieler zu überbrücken haben. Immerhin beginnt die Handlung ungefähr 1914, kurz vor dem 1. Weltkrieg, und die Gegenwartshandlung spielt im 2. Weltkrieg – es müssen also 30 Jahre überbrückt werden, von einem 20jährigen zu einem 50jährigen, und das gilt auch für Anna Neagle, die ja gleichzeitig noch ihre eigene Tochter spielt… Anna war damals fast 50 und auch Errol sah nicht mehr aus wie ein Dreißigjähriger, was alles ein wenig – aber nur ein wenig – unglaubwürdig wirken läßt.

Ich glaube, wenn man sich der Anspielungen auf Errols Leben und Karriere bewußt ist, macht der Film sogar ein wenig Spaß. Ich gebe zu, daß ich kein Fan von Anna Neagle geworden bin, aber Errol liefert eine starke Vorstellung und es ist schade, daß es keine deutsche Version des Films gibt. Der Film hat einen großen nostalgischen Wert und, wie schon erwähnt, zeigt er uns, wozu Errol schauspielmäßig fähig gewesen wäre, wenn sein Talent nicht unterschätzt und er immer typbesetzt worden wäre.

lilacs

Veröffentlicht unter Filmographie | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Auf Ehrenwort

ug4

„Profitons du moment!“ Flynn und Jean Sullivan

Hintergrund

Errol Flynn versuchte immer wieder, aus dem Rollenschema des unerschrockenen und unbesiegbaren Helden, in das Warner Brothers ihn pressen wollte, zu entkommen. Auf Ehrenwort ist einer dieser Versuche.

Der englische Filmtitel, der eigentlich mit „Ungewisser Ruhm“ übersetzt werden müßte, basiert laut Thomas McNulty (S. 180) auf einigen Zeilen aus Shakespeares früher Komödie Zwei Herren aus Verona.

Die Meinungen der Flynnexperten über diesen Film gehen auseinander. Thomas/Behlmer/McCarty mögen ihn eher nicht; sie bezeichnen ihn als „schlecht geschrieben, diffus in seiner Entwicklung der Geschichte und der Charaktere, und schwunglos in der Bewegung“. (S. 136) McNulty (S. 181) betont dagegen, daß Flynn mit Enthusiasmus an dieser Rolle arbeitete und so vielleicht zur besten Darstellung seiner Karriere gelangte. Das lag sicher auch an der Regie von Raoul Walsh, dem es gelang, aus seinem Freund das Beste herauszuholen. Der Film ist einer der untypischsten für Flynn; eine einfache Geschichte um einen Mörder und Dieb, und nicht um einen makellosen Helden. Dieser Jean Picard ist skrupellos, er hat mehrere Menschenleben auf dem Gewissen, und doch hat er einen Charme und immer wieder das Flynn’sche Lächeln um die Mundwinkel, so daß man ihm alles verzeihen mag.

Flynns Charakterisierung ist glaubwürdig. Der einzige Makel ist das Ende. Den gesamten Film über versucht er immer und immer wieder, seinem Gegenspieler, großartig verkörpert von Paul Lukas, zu entkommen. Er täuscht und betrügt, und endlich gelingt ihm die Flucht durch einen meisterhaften Bluff – er tut Marianne gegenüber seine Meinung über übertriebenen Patriotismus kund – und letztendlich ergibt er sich doch und gibt sein Leben für andere, die ihm nichts bedeuten. Warum? Danach befragt, kann er keine befriedigende Antwort geben.

Für diesen Film formte Flynn mit seinem Manager eine Gesellschaft namens Thomson Productions, die als Coproduzent für Warners fungieren und an den Einnahmen beteiligt werden sollte. Laut Thomas & al. (ibid.) war das Ziel dieser Firma „baldige Liquidierung und Kapitalgewinn“.

Der Film liegt in einer guten Synchronfassung, erneut mit Sigmar Solbach, vor, und wird ab und zu im deutschen Fernsehen gezeigt. Es existierte jedoch auch eine Fassung, die gänzlich umgeschnitten worden sein muß. Die deutschen und österreichischen Filmprogramme aus der Nachkriegszeit zeugen davon.

Hier wurde die Geschichte vollkommen verändert: Jean Picard wird zum Chef des englischen Geheimdienstes namens Captain Bradley, der in Paris verraten, von Inspektor Bonet verfolgt und kurz vor der spanischen Grenze festgenommen wird.

Die Reise zurück nach Paris verläuft ähnlich wie im Original, inclusive der Liebesgeschichte mit Marianne. Doch nachdem sich Bradley den Deutschen gestellt hat, beginnt kurz vor seiner Hinrichtung ein Bombardement der Stadt und er kann sich retten. Nach dem Krieg werden Marianne und Bradley ein glückliches Paar.

Weiterhin existiert eine (englischsprachige) Romanfassung des Buches von Herb Meadow, einem bekannten Hollywoodautor, der u.a. auch für das Drehbuch zu Flynns „Der Freibeuter“ verantwortlich zeichnet. Der Roman folgt im Wesentlichen dem Film, weicht aber in einigen Details davon ab, z.B. hat Bonet seine Erkältung schon von Beginn an, die Kirchenszene, in der Picard Bonet mit seinen angeblichen Untaten veralbert, fehlt, und aus Dupont wird Leduc. Die Charakterisierung und Hintergrundbeschreibungen fallen – was in der Natur eines Romans liegt – etwas tiefgründiger aus als im Film, manche Dialoge sind ausführlicher, andere etwas kürzer gehalten.

ug8

„Ne me quitte pas!“

Inhalt:

Der Film beginnt in düsterer Stimmung: einige Männer betreten eine Gefängniszelle und wecken den Gefangenen Jean Picard (Flynn), um ihm mitzuteilen, daß seine Hinrichtung kurz bevorsteht. Bevor es jedoch soweit ist, wird er noch einmal von Kommissar Bonet (Paul Lukas) befragt zu den Ereignissen, die zu seiner Verurteilung geführt haben: er hat ein Schmuckgeschäft ausgeraubt und dabei den Nachtwächter, der ihn überraschte, getötet. Doch Picard ist nicht bereit, weiteres dazu zu sagen, und wird zur Guillotine abgeführt.

Man hat ihm bereits den Kragen vom Hemd abgeschnitten, als durch einen Luftangriff der Deutschen das Gefängnis zerstört wird. Picard überlebt und macht sich sofort aus dem Staub – zu seinem Freund Henri Duval (Sheldon Leonard). Der ist gerade mit seiner Freundin Louise (Faye Emerson) beschäftigt. Als es an der Tür klingelt, muß sich Louise im Schlafzimmer verstecken. Henri ist überrascht, daß Jean der Guillotine entkommen ist. Murrend macht er sich auf, die Forderungen von Jean nach Papieren und Geld zu erledigen – sonst würde sich Jean bei der Polizei an einige krumme Dinger von Henri erinnern…

UG1

Auf der Flucht

Während sich Jean säubert und in Henris Kleiderschrank bedient, merkt er, daß noch eine Frau in der Wohnung ist. Schnell bekommt er ein tête-à-tête mit ihr, das nur durch die Rückkehr von Henri gestört wird. Louise versteckt sich wieder im Schlafzimmer. Jean erhält seine Papiere und macht sich auf den Weg. Doch Henri sieht die beiden Zigaretten und die Gläser und weiß nun von dem heimlichen Stelldichein. Er ist wütend und begibt sich zu Kommissar Bonet.

Während Jean und die ihm hinterhergereiste Louise einen gemeinsamen Abend in einem Hotel in Bordeaux verbringen, wird Jean wieder von Bonet verhaftet. Beide fahren im Zug zurück nach Paris. Doch der Zug kann nicht direkt weiterverkehren: ein Saboteur hat die Brücke über den Fluß Gartempe gesprengt, so daß die Reisenden aussteigen müssen und mit Booten übergesetzt werden sollen.

Wenn der Saboteur nicht binnen einer Woche gefunden wird oder sich selbst stellt, werden von den Deutschen einhundert Geiseln erschossen. Picard befragt Bonet über die Einzelheiten eines solchen Erschießungskommandos und findet, dies sei würdevoller als die Guillotine. Ihm kommt eine Idee: warum soll er sich nicht als Saboteur stellen – sterben muß er ohnehin, und diese Todesart sagt ihm mehr zu als die Guillotine.

Bonet hält von dieser Idee zunächst überhaupt nichts, doch während sie warten und etwas essen, drängt Jean immer weiter und Bonet beginnt allmählich weich zu werden. Als schließlich die einhundert Geiseln auf der Straße vorbeigetrieben werden, hat er sich entschieden: er verläßt sich auf das Wort eines Diebes und Mörders.

Gemeinsam gehen sie jetzt in die Nähe des Ortes des Attentats und begutachten diesen aus der Ferne. Picard soll sich die Einzelheiten gut einprägen. Anschließend suchen sie sich ein Zimmer in einem Ort in der Nähe.

Währenddessen halten die Einwohner, deren Familienmitglieder als Geiseln gehalten werden, eine Versammlung ab. Besonders eine ältere Dame, Madame Maret (Lucile Watson), deren Sohn betroffen ist, ist sehr engagiert. Sie verlangt, daß sich einige ältere Herren als Saboteur stellen, damit die jungen freikommen. Das Treffen wird jedoch unterbrochen und kein Beschluß gefaßt.

ug6

Währenddessen üben Bonet und Picard in ihrem Hotelzimmer. Sie erfinden eine neue Identität für Jean. Bonet stellt einige Fragen, die man wahrscheinlich stellen wird. Doch Bonet wird das Gefühl nicht los, etwas vergessen zu haben. Spät in der Nacht begeben sie sich zur Ruhe, nicht ohne daß Bonet Picard mit Handschellen an das Bett fesselt.

Am folgenden Morgen informiert Bonet telefonisch den Polizeipräsidenten in Paris, daß Jean Picard tot sei – erschossen auf einer Verfolgungsjagd, seine Leiche fiel in einen Fluß und konnte bisher nicht geborgen werden. Der Präsident gewährt Bonet daraufhin ein paar Tage Urlaub. Picard hat das Gespräch mit angehört. Er bittet Bonet darum, ihm bis Dienstag Zeit zu geben. Erst bis Dienstag muß sich der Saboteur gestellt haben. Diese drei Tage will Jean noch leben. Doch Bonet lehnt zunächst ab.

Die beiden Männer begeben sich hinaus und werden Zeuge einer Unterredung der französischen Polizei mit einigen deutschen Beamten. Sicherheitshalber begeben sie sich in einen Laden und tun so, als ob sie sich für die Waren interessieren, um nicht aufzufallen. Dabei ergibt sich ein Gespräch mit der hübschen Verkäuferin Marianne (Jean Sullivan). Picard behauptet, er und sein Freund seien im Ort um zu angeln. Bonet spielt notgedrungen das Spiel mit, denn es befinden sich auch zwei Polizisten im Laden. Mit Erlaubnis von Madame Maret, der der Laden gehört und die ihre ganz eigenen Pläne verfolgt, zeigt Marianne den Männern den Bach. Bonet beginnt zu angeln, doch Jean hat keine Fische im Sinn. Er sitzt mit Marianne im Gras und flirtet ungeniert mit ihr.

Als die beiden Männer am Abend in ihre Unterkunft zurückkehren, erwartet sie dort ein Polizist. Er vermutet, daß die beiden zu den Saboteuren gehören – einen dritten Mann haben sie schon festgenommen. Der Polizist verlangt, daß sie sich ausweisen. Jean reagiert dabei geistesgegenwärtig und läßt Bonet zuerst seine Papiere zeigen und macht dabei Bemerkungen über die Berühmtheit des Inspektors. Natürlich ist der Polizist davon beeindruckt und entschuldigt sich vielmals, daß er den berühmten Bonet nicht erkannt hat. Dann wird der Gefangene (Ivan Triesault) hereingeführt. Bonet reagiert geistesgegenwärtig und tut so, als ob der ihm unbekannte Mann ebenfalls ein Mitglied der Sûreté wäre. Die Polizisten ziehen unverrichteter Dinge wieder ab.

Daraufhin stellt sich heraus, daß der Unbekannte tatsächlich der Saboteur ist. Während er sich wäscht, rastet Picard aus: er ärgert sich darüber, daß er Bonet geholfen hat. Ansonsten wäre er frei gewesen, da weder Picard noch der Saboteur „aus der Sache herausgekommen wären“. Doch Bonet erklärt ihm, daß er ihn in diesem Fall ohne Rücksicht erschossen hätte. Spät in der Nacht begleiten sie den Saboteur zu dem Treffpunkt, an dem er von einem Flugzeug abgeholt werden soll. Dabei erfahren sie wichtige Einzelheiten über die Tat – wie die Wachen an den Enden der Brücke überlistet wurden und daß diese mit einer Zeitbombe, nicht mit Dynamit, gesprengt wurde.

ug5

Als Bonet am nächsten Morgen hustend aufwacht – er hat sich beim Angeln erkältet – hat Picard die Handschellen geknackt und ist verschwunden. Doch er kommt nicht weit. Bonet holt ihn bei der Apotheke ein. Picard tut so, als ob er Pillen gegen Bonets Husten holen wollte, doch natürlich wollte er eigentlich verschwinden.

Die beiden Männer verbringen den Rest des Sonntags mit Marianne in einem Weinberg. Bonet beobachtet aus der Ferne die Zweisamkeit von Picard und dem Mädchen. Marianne bittet Jean, noch nicht abzureisen. Sie ist ehrlich verliebt. Doch Jean muß gehen. Er tröstet Marianne mit dem Sprichwort „Die Zeit läßt die Liebe vergehen, und die Liebe läßt die Zeit vergehen.“

Inzwischen komplottiert Madame Maret weiter. Sie hat einige Männer engagiert, die aussagen sollen, daß sie die beiden Fremden bei der Brücke gesehen haben und daß diese dementsprechend die Saboteure sein müssen. Sie werden zwar vom Pfarrer dabei gestört und dieser verbietet ihnen die Aktion, doch Madame Maret stört sich nicht daran.

Aber auch Marianne hat von dem Plan mitbekommen und macht sich nun heimlich auf, um die Männer zu warnen. Sie trifft unterwegs auf Jean, der wieder einmal auf der Flucht ist. Er hat Inspektor Bonet endgültig getäuscht. Dieser darf auf Anordnung des Arztes das Bett nicht verlassen, doch Picard erweist sich als guter Schauspieler: er behauptet, nun doch beichten zu wollen. Bonet läßt sich erweichen, unter der Bedingung, daß Picard um 22 Uhr zurück ist. Picard verspricht es hoch und heilig, doch als er die Tür zu Bonets Zimmer geschlossen hat, weiß man, daß er nur an Flucht gedacht hat…

Marianne und Jean fliehen gemeinsam, nachdem Marianne ihm von dem Plan von Madame Maret berichtet hat. Inspektor Bonet beobachtet inzwischen von seinem Hotelzimmer aus eine Versammlung der Dorfbewohner, welche die beiden fremden Männer ausliefern will. Doch sie werden erneut vom Pfarrer gestört, der alle wieder nach Hause schickt.

Natürlich wartet Bonet danach vergeblich auf die Rückkehr von Picard. Dieser wird von Marianne zu der Straße geführt, die ihn zur spanischen Grenze bringen soll. Doch als er sich von ihr verabschieden will, will sie mit ihm kommen. Seine Einwände stören ihn nicht, und schließlich akzeptiert er ihren Wunsch. Beide lassen sich von einem Bauern auf seinem Karren mitnehmen, der ihnen auch Frühstück anbietet. Der Sohn des Bauernehepaares ist ebenfalls unter den Geiseln. Marianne zündet eine Kerze für ihn an, während die Eltern mit den anderen Dorfbewohnern für die Geiseln beten. Nach einem Disput mit Marianne über Patriotismus trifft Jean eine Entscheidung: er will nach Paris gehen, um sich von dortigen Freunden Geld zu holen, und dann zu Marianne zurückkehren, um mit ihr in Martinique ein neues Leben anzufangen. Marianne läßt ihn schweren Herzens ziehen und wartet auf ihn.

Währenddessen ist Inspektor Bonet ebenfalls nach Paris zurückgekehrt. Er muß eine schwerwiegende Entscheidung treffen: er ist nun der einzige, der die Geiseln noch retten kann. Er verfügt über die notwendigen Informationen und könnte sich als Saboteur stellen. Doch die Entscheidung wird ihm von Jean abgenommen. Er ist zurückgekehrt, und gemeinsam gehen die beiden Männer den Weg zu Ende.

Bonet begleitet Picard zum Hauptquartier der Deutschen…

ug7

 

Veröffentlicht unter Filmographie | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Romantisches Abenteuer (aka Adventures of William Tell)

t2ec16fyke9s7twmbq4bi7bv60_12

Flynn mit Antonella Lualdi, die die weibliche Hauptrolle spielte

„Adventures of William Tell“ sollte Errol Flynns Prestigeprojekt werden, in das er sein Herzblut und einen Großteil seines Vermögens steckte – und beides verlor. Die Geschichte der Verfilmung und vor allem die „Geschichte danach“ ist äußerst spannend. An dieser Stelle einen Dank an Ralph Schiller und Brian Twist, die mich mit den notwendigen Hintergrundinformationen versorgt haben. Auch die von Steve Archer veröffentlichten Artikel lieferten wertvolle Informationen. Archer hat im Prinzip sämtliche Informationen, die noch irgendwie zugänglich waren, zusammengetragen. Er hat quasi alle damals noch lebenden Beteiligten befragt. Leider ist aus seinem Buchprojekt dann nichts mehr geworden.

„William Tell“ war als unabhängige Produktion angedacht. Als Regisseur hatte Flynn Jack Cardiff angeheuert, mit dem er bereits gut bei „Der Freibeuter“ zusammengearbeitet hatte. Barry Mahon, ein Freund von Flynn, sollte als sein Geschäftspartner und Vertreter fungieren. Als Co-Stars wurden u.a. Bruce Cabot, ein weiterer Freund von Flynn, der in „Herr des Wilden Westens“ den Bösewicht Jeff Surrett gespielt hatte, Guido Martufi als Tells Sohn Jemmy, und Waltraut Haas verpflichtet.

Der deutsche Titel des Films wäre „Romantisches Abenteuer“ gewesen. Der Film sollte im Aostatal, in Courmayeur, gedreht werden – am „Zahn des Riesens“ (Dente del Gigante) am Fuß des Mont Blanc. In einem Tal nordwestlich von Courmayeur, dem Val Ferret, wurde ein originalgetreues Dorf nachgebaut – und zwar nicht nur aus Pappmaché, sondern aus Stein, so daß es bis in die 80er Jahre zu besichtigen war. Dann fiel es leider Grundstücksspekulanten zum Opfer.

4203_l

So sah das Filmdorf aus

Das Hauptquartier der Produktion befand sich im nicht mehr existierenden Hotel „Monte Bianco“, in dem auch ein Großteil der Crew untergebracht war. Der Rest der Mannschaft wohnte in den Hotels Albergo Centrale, Ferrato und Edelweiß. Flynn, Mahon und Cardiff hatten außerhalb der Hotels eigene Appartements. Das örtliche Kino wurde zur Sichtung der täglichen Aufnahmen genutzt.

Die Finanzierung wurde von Flynn und seinen italienischen Partnern gesichert. Beide Seiten brachten 430,000$ auf. Hier kommt der mysteriöse Graf Adolfo Fossataro, ein italienischer Landbesitzer, ins Spiel. Er ist wohl letztendlich für das Scheitern des Projektes verantwortlich, denn er hatte aus dem gemeinsamen Konto Geld entnommen für ein „Bauprojekt“ – Geld, das er nie zurückzahlte. Er war dazu überhaupt nur in der Lage, weil es bei der Kontoeröffnung zu Ungenauigkeiten gekommen war. Festgelegt wurde, daß zur Geldentnahme aus dem Depot zwei Unterschriften nötig wären – allerdings, genauer gesagt, „eine von zweien“ und nicht notwendigerweise beide gleichzeitig.

Die Produktion begann am 14. Juni 1953. Drei Monate waren vorgesehen. Flynn kam sechs Tage nach Drehbeginn, also wahrscheinlich an seinem 54. Geburtstag, an; Waltraut Haas stieß irgendwann Ende Juni/Anfang Juli zur Produktion.

Am 29. Juni kursierten erste Gerüchte, daß wohl niemand bezahlt worden wäre. Am 4. Juli verließen die ersten Leute die Produktion, u.a. auch Fossataro. Anfang Juli ging dann das Geld endgültig aus. Cardiff filmte zunächst ohne Bezahlung weiter. Am 21. August verließ auch Bruce Cabot die Produktion und beschloß, Flynn wegen der ausstehenden Bezahlung zu verklagen.

An dieser Stelle zeigt sich ein tragischer Zug von Errol Flynns Persönlichkeit. Er war anscheinend nicht mit einer besonders guten Menschenkenntnis gesegnet. Bei der Wahl seiner Freunde bewies er kein sehr glückliches Händchen, er wurde meist von Leuten wie Bruce Cabot ausgenutzt. Cabot sorgte dafür, daß Flynns Sportwagen und sogar seine Kleidung und die seiner Frau konfisziert wurden. Die beiden Männer sahen sich danach nie wieder – Flynn vermied bewußt ein Zusammentreffen, weil er sonst nicht für Cabots Leben hätte garantieren können… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Filmographie, General Information | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Flynn in Stuttgart

013.jpg

„Willkommen in Stuttgart!“

 

Im April 1953 kam Errol Flynn zum 1. Mal nach Deutschland. Leider ist auch hier die Faktenlage schwierig. Laut Bericht der Deutschen Illustrierten vom 18. April des Jahres hatte diese Zeitschrift, die in Stuttgart ansässig war, Flynn eingeladen. Auf dem Flugplatz Echterdingen wurde er von der Schauspielerin Irene von Meyendorff mit einem kleinen Krug mit Weinbrand empfangen. Er besuchte drei Tage lang verschiedene Orte. Dazu zählten:

  • das Untertürkheimer Mercedes-Museum, wo er auf einem Daimler Zweirad von 1885 posierte. Er kaufte dort auch ein lindgrünes 300er Cabriolett.
  • den Zirkus Krone
  • den Stuttgarter Metropol-Palast, wo er der Deutschland-Premiere seines Films „Gegen alle Flaggen“ beiwohnte
  • die Bar im Stuttgarter Reichsbahn-Hotel, wo er sein Autogramm hinterließ
  • Kesslers Sektkellerei (s. Fotogalerie)
  • eine Weinprobe bei Heinrich Vetter
1953-04-01 Stuttgart 1a.jpg

im Mercedes-Museum

Veröffentlicht unter Deutschland | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen